Eine Schule mit Laborcharakter

Auch Lehrpersonen pendeln
Eine neu aufzubauende Schule benötigt natürlich Lehrpersonen. Angestellt sind sie vorderhand von der KWI und pendeln deshalb ebenfalls zwischen den Standorten. In ein paar Jahren werden sie sich entscheiden müssen, ob sie an der KWI bleiben oder zum Team der zukünftigen Kantonsschule Aussersihl gehören wollen.
Nicole Brockhaus vertraut darauf, dass im Verlaufe des weiteren Prozesses die meisten bald wissen werden, wo sie sich mehr zu Hause fühlen.
Für die Schülerinnen und Schüler der Siedlerklassen stellt sich diese Frage hingegen nicht, sie sind längst angekommen. Tara Müller, die die FMS besucht, fühlt sich zum Beispiel sehr wohl hier, obwohl sie die Aufnahmeprüfung an der Kantonsschule Zürich Nord absolviert hatte, dann aber umgeteilt wurde. «Der Aussenraum ist zwar noch nicht fertig, der fehlt etwas, aber die Stimmung ist gut», sagt sie.
Was die Verpflegung betrifft, findet ihre Klassenkameradin Emma Löhrer das Essen aus dem Automaten «recht teuer», sie und viele andere nähmen lieber etwas mit. «Mikrowellen hat es ja zum Glück viele.» Und sonst gebe es auch noch einen Coop in der Nähe.
Die «Teilete» findet Ada Mäder eine «coole Idee». Bei der ersten Durchführung seien fast alle Schülerinnen und Schüler dabei gewesen. «So lernt man sich auch unter den Klassen etwas kennen.»
Medea Bürgler wiederum schätzt, dass momentan noch nicht so viele Siedlerklassen hier sind und die Nomadenklassen für etwas Abwechslung im Haus sorgten.
Erste Entlastung spürbar
«Die ersten Schülerinnen und Schüler», sagt Nicole Brockhaus, «können der Schule nun ihren Stempel aufdrücken, sie für die Zukunft prägen. Und wir als Schulverwaltung können ihnen dafür den Boden bereiten.»
Auch Rektor Urs Allenspach sieht dieser Entwicklung mit Zuversicht und Freude entgegen. «Das Team am Standort Hohlstrasse hat einen ausgezeichneten Start hingelegt», sagt er. Seit einem Jahr im Amt, ist er selbst auf den fahrenden Zug aufgesprungen. «Ich konnte den Leuten, die bereits an Bord waren, noch den Rücken stärken», meint er bescheiden. Auch dem weiteren Aufbau und der anschliessenden Splittung in zwei Schulen blickt er optimistisch entgegen. «Wir planen das alles sorgfältig.»
Was man in Wiedikon bereits spürt, ist eine gewisse Entlastung dank der Nomadenklassen. Die Container, die man auf dem Schulhausareal aufgestellt hatte, konnten abgebaut werden. «Aber sonst ist die Schule hier nach wie vor bis auf den letzten Platz gefüllt», erzählt der Rektor.
Wachsen soll in den nächsten Jahren nur der Standort Hohlstrasse – jedes Jahr um ein Viertel. Dafür ist er schliesslich da – um die steigende Zahl an Schülerinnen und Schülern aufzufangen. In vier Jahren wird man im Provisorium dann mit rund 650 Schülerinnen und Schülern ebenfalls ausgelastet sein.
Verspürt Urs Allenspach nicht schon etwas Wehmut bei dem Gedanken daran, dass man in nicht allzu ferner Zeit in Wiedikon und an der Hohlstrasse getrennte Wege gehen wird? «Die Kantonsschule Aussersihl wird für uns nachher die Schule sein, mit der wir am engsten verbunden bleiben», lautet seine Antwort. Schon heute laufe die Zusammenarbeit zwischen den Standorten sehr unkompliziert, viele Lehrpersonen hätten Spass daran, auch weil sie an der Hohlstrasse viel Neues ausprobieren könnten. Und davon wie auch von der Aufbruchstimmung, ist der Rektor überzeugt, werde man in Wiedikon noch länger profitieren können.
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