TATORT WÄDENSWIL – WENN INDUSTRIE-HALLEN ZU FERNSEHSTARS WERDEN
Rau, authentisch, voller Geschichte: Alte Industriehallen in Wädenswil sind gefragte Schauplätze für Film- und Fernsehproduktionen. Nach Dreharbeiten auf dem Gessner-Areal für die SRF-Serie «Unsere kleine Botschaft» und die neue Krimireihe «Blind», rückte kürzlich das MEWA-Areal ins Rampenlicht. Hier entstanden Szenen für den neuen Zürcher «Tatort», der im Herbst 2026 ausgestrahlt wird.
Zigarettenrauch hängt schwer in der Luft. Durch die Glasbausteine dringt nur fahles Licht in den Raum. Der Boss des Zürcher Rockerclubs «Devils White Blue» sitzt breit im Stuhl. Langsam hebt er den Blick und lässt ihn auf Ermittlerin Isabelle Grandjean ruhen – kalt, abschätzig, herausfordernd. Die Anspannung ist spürbar. Es geht um nicht weniger als Mord.
Was wie ein düsterer Ort aus dem Zürcher Milieu wirkt, ist in Wirklichkeit eine ehemalige Industriehalle in Wädenswil. Auf dem Areal der ehemaligen Metallwarenfabrik (MEWA)wurde diese Szene Ende 2025 für den neuen Zürcher «Tatort» gedreht.

Bis zu 70 Personen gleichzeitig im Einsatz
Die Ermittlerinnen Isabelle Grandjean und Tessa Ott tauchen im 12. Tatort aus Zürich nicht nur in die Welt eines Rockerclubs ein, sondern auch in eine Wohngemeinschaft von Menschen mit Downsyndrom sowie in die Vergangenheit eines Undercover-Kommissars.
Die Dreharbeiten waren aufwändig. Zeitweise arbeiteten bis zu 70 Personen gleichzeitig vor Ort: Schauspielerinnen und Schauspieler, Regie, Kamera, Technik, Szenenbild, Maske und Catering. Sie verwandelten die ehemaligen Fabrikräume für mehrere Tage in ein vollwertiges Filmset.

Industriehallen als begehrte Drehorte
Die Industriehallen auf dem Gessner-Areal waren 2025 ebenfalls Schauplatz verschiedener Film- und Werbeproduktionen. Für die SRF-Serie «Unsere kleine Botschaft» wurde hier das Innenleben einer fiktiven Schweizer Botschaft nachgestellt. Auch einzelne Szenen der neuen SRF-Krimiserie «Blind», die 2026 ausgestrahlt wird, entstanden in den Hallen. Zudem dienten die Fabrikhallen der Gessner AG über längere Zeit als Drehort für Migros-Werbespots.
Aus Sicht des Schweizer Fernsehens boten sowohl das Gessner- wie auch das MEWA-Areal ideale Voraussetzungen für solche Produktionen. Die Wahl der Drehorte sei stets eine kreative und produktionstechnische Entscheidung, heisst es von der SRF-Medienstelle.
Die grosse, säulenlose Halle der Gessner AG zählte zu den letzten ihrer Art in der Schweiz, was für Filmproduktionen besonders gefragt ist.

Spannende Einblicke in den Produktionsprozess
Auch aus Sicht der Eigentümer erwiesen sich die Dreharbeiten als spannende und sinnvolle Zwischennutzung. Damian Isler, Delegierter des Verwaltungsrats der Gessner AG, beschreibt die Drehtage als «abenteuerlich und extrem spontan». Rauchmaschinen hätten Feueralarme ausgelöst, es wurde in der Halle grilliert und auch spontane Abschlusspartys gehörten dazu. «Trotz aller Improvisation war die Zusammenarbeit stets angenehm», sagt Isler. Besonders eindrücklich sei es für ihn gewesen, das Endresultat zu sehen und mitzuerleben, wie aus einem zeitweise chaotisch wirkenden Prozess ein stimmiger Film entstehe.
Ähnlich fällt das Fazit auf dem MEWA-Areal aus. Bauherrenvertreter Christof Diener, erzählt: «Die Location-Scouts und SRF befanden unsere Hallen als genügend heruntergekommen und damit ideal für ein Set als Rockerclub.» Besonders beeindruckt habe ihn die Organisation am Set: «Die Koordination von bis zu 70 Personen funktionierte hochprofessionell, auch wenn vieles nach aussen improvisiert wirkte.»
Letzte Bilder einer verschwindenden Industriegeschichte
In den letzten Wochen ist die Industriehalle auf dem Gessner-Areal vollständig abgerissen worden, auf dem MEWA-Gelände steht der Rückbau kurz bevor. Beide Areale weichen Neubauten mit Wohnungen und Gewerbe. Die Dreharbeiten waren mit die letzten grossen Aktivitäten in den geschichtsträchtigen Hallen.
Wenn der neue Zürcher «Tatort» und die Krimiserie «Blind» 2026 ausgestrahlt werden, spielen Teile dieser Geschichten also an Orten, die es in Wädenswil bereits nicht mehr gibt.

Quelle: Zum Original-Inhalt





