Durch die Sekundarschule tanzen

Das Projekt wird zum Alltag
Vor den Sommerferien 2024 hat der erste Jahrgang abgeschlossen – und Regina Haller ist hellauf begeistert. «Mir hat es total den Ärmel reingenommen», sagt sie. Und wie um das zu begründen, schiebt sie gleich hinterher: «Es ist unglaublich, welche Entwicklung in diesen drei Jahren bei den Jugendlichen stattgefunden hat.» Dabei sei vor allem das erste Jahr mit den Pionierklassen ziemlich harzig verlaufen.
«Die Schülerinnen und Schüler waren zu Beginn etwas widerwillig», erzählt Bettina Holzhausen. Die nachfolgenden Klassen hingegen fragten nicht mehr, warum sie tanzen müssten – weil sie bereits eine Abschlussvorstellung der Vorgängerinnen und Vorgänger besucht oder zumindest von dem Projekt gehört hätten. Auch das Programm hat sich mittlerweile gefestigt.
In jedem Schuljahr finden diverse Veranstaltungen statt: vom Besuch einer Ballettprobe mit Einführungsworkshops über Tanzworkshops in verschiedenen, von den Jugendlichen ausgewählten Tanzstilen im Sportunterricht, Führungen durch das Opernhaus und die Werkstätten, ein Choreografieprojekt mit anschliessender «Werkstatt-Aufführung» bis zum Besuch einer Ballettaufführung.
Im dritten Jahr erarbeiten die Jugendlichen dann als krönenden Abschluss in klassenübergreifenden Gruppen mit professionellen Choreografinnen und Choreografen je ein Tanzstück. Die Aufführungen finden vor den Sommerferien auf der grossen Bühne im Singsaal statt.
Selbstverständlich werden auch die Eltern von Anfang an einbezogen. Und das Schulteam erhält die Möglichkeit für Weiterbildungen oder wird am jährlichen Q-Tag über den aktuellen Stand informiert – mit anschliessender Reflexion über die Weiterentwicklung.
Kaum noch Konflikte
Was ist denn nach heutigen Erkenntnissen der konkrete Gewinn des Projekts? Da sehen die drei Verantwortlichen von Schule, Opernhaus und PHZH weit mehr als nur einen. Etwa, dass die Jugendlichen zu Erfolgserlebnissen kommen, die sie sonst nicht hätten, wie Regina Haller sagt. Oder die Stärkung der Gemeinschaft über die Klassen hinweg, was laut Enikö Zala auch die Schülerinnen und Schüler selbst wahrnehmen.
«Umgekehrt merken sie auch, was es für eine Gruppe bedeutet, wenn kurzfristig ein oder zwei Personen für eine Aufführung absagen, wie dies im ersten Jahrgang passiert ist», sagt Bettina Holzhausen. Es entstehen zudem neue Freundschaften, und selbst mit den Kindern der Primarschule kommen die Jugendlichen in Kontakt, weil sich dort der Singsaal befindet. All dies, stellt Regina Haller fest, führe dazu, dass man an der Schule kaum noch Probleme mit Konflikten oder gar Gewalt habe. Und dies helfe den Schülerinnen und Schülern ebenso wie dem Schulteam oder den Eltern.
Enikö Zala und Jelica Popovic setzen ihre Begleitforschung fort. Sie untersuchen die Kooperation zwischen dem Opernhaus und der Schule Im Birch, identifizieren Erfolgsfaktoren und Herausforderungen und gehen der Frage nach, wie sich das Projekt auf die Schule auswirkt. Dafür haben die beiden Frauen nun noch etwas länger Zeit, denn die Schule will das Projekt über den ursprünglich geplanten Zeitraum hinaus weiterführen. Was die drei Projektverantwortlichen unisono als ausgesprochen sinnvoll bezeichnen, schliesslich sei es inzwischen fest implementiert.
Und nicht nur das: Die Kreisschulbehörde Glattal ist von «Die Schule tanzt!» derart angetan, dass sie sich Gedanken darüber macht, das Projekt auf weitere Schulen zu übertragen. Gleichzeitig hat das Opernhaus beschlossen, 2026 einen Saal in Oerlikon zu eröffnen. Die Abteilung Vermittlung will dort diverse Aktivitäten für und mit Schulen anbieten. Auch im Rahmen von «Die Schule tanzt!» sollen dort in Zukunft Proben und Aufführungen stattfinden. Es bleibt also abzuwarten, welche Kreise dieses Projekt noch ziehen wird.
Für Regina Haller hingegen steht bereits fest, dass ihre Schule langfristig weiter tanzen soll. «Wir hatten schon früher das eine oder andere Tanzprojekt», sagt sie, «aber hier geht es nicht um ein einmaliges Feuerwerk, das Projekt bringt einen echten Wandel in die Schule.»
Weitere Informationen über «Die Schule tanzt!» sowie ein Video über den ersten Jahrgang gibt es unter www.opernhaus.ch.
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