Berufslehre heute: Steinmetz

Nie monoton
In der Fachrichtung Bau und Renovation, für die sich Ognjen Ristic entschieden hat, lernt er, Treppen, Gesimse, Fenstereinfassungen und Pfeiler zu hauen und sie an oder in Gebäuden anzubringen. Zu den zentralen Kompetenzen gehören auch das Reinigen, Konservieren, Ausbessern und Schützen von Naturstein an historischen Gebäuden.
In seinem ersten Lehrjahr durfte Ristic schon an prominenten Orten Hand anlegen. Etwa im Zürcher Grossmünster oder in der evangelischen Kirche in Steckborn aus dem 18. Jahrhundert. Seine Bilanz nach dem ersten Lehrjahr ist positiv: «Es kommt immer wieder etwas anderes, es ist nie monoton.»
Was er auch erfahren hat: Der Beruf ist zuweilen streng. Man arbeitet mit schwerem Material, oft lärmt und staubt es tüchtig. Geht ein Steinmetz mit Knüpfel und Meissel oder dem Presslufthammer zu Werk, kommt es vor, dass er den ganzen Tag Maske und Gehörschutz trägt. «Man muss Lust haben auf körperliche Belastung», sagt Wolfgang Görner dazu. Eine andere Eigenschaft: Schwindelfreiheit. Sonst ist die Arbeit auf dem Gerüst am hohen Kirchturm nicht machbar. Für «Ogi» war das kein Problem. Im Gegenteil: «Ich habe mich immer darauf gefreut. Die Aussicht ist spektakulär.»
Computer und Handarbeit
Der Beruf werde sich in den nächsten Jahren verändern, sagt Wolfgang Görner. «CNC-Fräsen werden die Produktion entscheidend verändern.» Diese Maschinen fräsen die Formen in den Stein, die vorher am Computer eingegeben wurden.
Damit werde der Beruf noch vielfältiger und auch für computeraffine Jugendliche attraktiver, hofft Görner. Er gibt allerdings zu bedenken, dass die traditionellen Fähigkeiten wichtig bleiben. «Man muss immer noch richtig ausmessen können. Ein Mensch, der kein räumliches Vorstellungsvermögen hat, wird auch mit einer CNC-Fräse Mühe haben.»
Görner sieht einen weiteren Grund, das klassische Handwerk nicht zu vernachlässigen: «Ob ein Stein von Hand oder mit einer CNC-Fräse bearbeitet wurde, sieht man. Handwerk macht ein Gebäude lebendiger. Darum schaue ich, dass Ogi das Handwerk wirklich lernt.» So wie es einst sein Lehrmeister Gregor Frehner getan hat, der Gründer der Firma, die Görner heute führt.
Wohin die Berufslaufbahn Ognjen Ristic führen wird, ist offen. Vorerst hat er noch drei Lehrjahre, um sich das Rüstzeug des Steinmetzen zu holen. Wer weiss, vielleicht wird er es sein, der den zwei lädierten Züri-Leuen vom Dach der alten Kaserne dereinst zu neuem Glanz verhelfen wird.
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