Bahnhof Wädenswil vor dem Ausbau: Ein 170-Millionen-Projekt werte …
Der geplante Ausbau des Bahnhofs Wädenswil beschäftigt die Einwohner. Während der vierwöchigen öffentlichen Auflage machten zahlreiche Wädenswilerinnen und Wädenswiler von den Informationsangeboten gebrauch. Bei den gut besuchten Sprechstunden von SBB und Stadt nutzte die Bevölkerung die Gelegenheit, Fragen zu stellen, Bedenken zu äussern und detaillierte Einblicke in das 170-Millionen-Projekt zu gewinnen.
Text: Sabine Itting
Bild: stb
Der Bahnhof Wädenswil gehört an der linksufrigen Seelinie mit täglich über 20 000 Passagieren zu den zentralen Drehpunkten der Region. Da die Frequenzen mittelfristig um ein Drittel steigen werden, erarbeitetet die SBB ein umfassendes Ausbauprojekt im Rahmen des strategischen Entwicklungsprogramms (STEP) des Bundes. Gleichzeitig projektiert die Stadt für die Aufwertung der angrenzenden Freiräume. Vom 17. August bis zum 15. September 2026 lagen die Pläne im Rahmen des Plangenehmigungsverfahrens öffentlich auf. Die begleitenden Sprechstunden an der Merkurstrasse verzeichneten einen regen Zulauf und machten deutlich, welche Themen die Einheimischen im Detail beschäftigen. Eine Informationsausstellung mit übersichtlichen Infotafeln, Plänen und Visualisierungen verdeutlichte den Anwesenden anschaulich, wie der geplante Umbau vollzogen werden soll. René Batschelet, der Gesamtprojektleiter der SBB, Matthias Rutz, Fachprojektleiter Ingenieurbau SBB, Stadträtin Astrid Furrer und Dirk Göbbels, Abteilungsleiter Planen und Bauen, standen für Fragen der Bevölkerung zur Verfügung.
Neuer Zugang zum See und barrierefreies Umsteigen
Bis heute bildet das Areal eine spürbare Barriere zwischen dem Siedlungsraum und dem südwestlichen Seeufer. Die vorhandenen unterirdischen Verbindungen gelten als wenig attraktiv und müssen von verschiedenen Verkehrsteilnehmenden gleichzeitig genutzt werden. Das soll sich mit dem Grossprojekt grundlegend ändern: Das zentrale Element bildet die neue, tageslichtdurchflutete Personenunterführung «Seehof» südlich der Merkurstrasse. Sie schafft eine direkte, visuell ansprechende Anbindung an den Seeplatz, wertet den Natur- und Erholungsraum auf und erhöht durch die übersichtliche Gestaltung das Sicherheitsgefühl der Passanten.
Gleichzeitig erschliesst die neue Unterführung alle Perrons der SBB und der Südostbahn (SOB) über moderne Liftanlagen und entlastet die bestehende Personenunterführung Wädenswil spürbar. Die bisherige Fahrzeug-Unterführung Merkurstrasse verliert künftig ihre Funktion zur Perronerschliessung. Sie dient stattdessen als reine Durchfahrt für Anlieferungen sowie den Velo- und Fussgängerverkehr, bindet die Seestrasse direkt an den Seeplatz an und löst damit bisherige Verkehrskonflikte nachhaltig auf.
Eigenes Gleis für die SOB und Perron-Kapazitäten
Auf den Perrons werden die Umsteigemöglichkeiten massiv verbessert. Für die Fahrten in Richtung Zürich können die Zugfahrenden ohne die Unterführung zu benutzen direkt beim heutigen Gleis 1 (neu Gleis 3) einsteigen. Durch den Bau eines zusätzlichen Gleises auf der Stadtseite verfügt die SOB künftig über zwei separate Gleise. Fahrgäste aus Richtung Einsiedeln profitieren dadurch am Bahnhof Wädenswil von einem direkt gegenüberliegenden, perrongleichen Anschluss in Richtung Zürich.
Auf Bedenken bezüglich der Perronlängen gab die Projektleitung Entwarnung: Die Perronlängen werden auf das Betriebs- und Angebotskonzept ausgerichtet, so dass SBB-Züge von bis zu 300 Metern und SOB-Kompositionen bis zu 150 Metern Länge halten können. Der Umbau garantiert zudem durchgehend barrierefreies Ein- und Aussteigen nach dem Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG), was auch Reisenden mit Kinderwagen oder Rollkoffern zugutekommt.
Grüne Oasen und Entsiegelung im Stadtraum
Auf der Stadtseite erfährt der öffentliche Raum zwischen Bahnhof- und Seestrasse eine deutliche Aufwertung. Im Sinne des Klimaschutzes werden rund 1 000 Quadratmeter Baugrund entsiegelt. Das Areal wird durch eine neue Begegnungszone strukturiert, in die dezent integrierte Kurzzeitparkplätze und linear an den Perrons angeordnete, gedeckte Veloständer eingebettet sind.
Besonderes Augenmerk liegt auf sogenannten Pocket-Parks: Diese kleinen, begrünten Inseln mit schattenspendenden Bäumen sollen das Mikroklima verbessern, Regenwasser bei Starkregen aufnehmen und die Aufenthaltsqualität für Anwohner, Pendler und Besucher deutlich steigern. Die Entwicklung und Planung der Freiräume berücksichtigt das aktuelle Fachwissen zu klimaangepasster Stadtentwicklung und nachhaltiger Freiraumgestaltung. Die Pocket-Parks setzen zudem die beiden historischen, schützenswerten Bauwerke – die Seestrasse 94 und den Güterschuppen – städtebaulich neu in Szene.
ÖV-Anpassung – barrierefreie Haltekanten
Auch der Busverkehr wird im Zuge der Erneuerung modernisiert: Die Stadt Wädenswil baut die bestehenden Haltekanten A bis F beim Bushof barrierefrei um, um allen Fahrgästen einen einfachen Einstieg zu ermöglichen. Zusätzlich entsteht eine neue Buskante G direkt an der Seestrasse, während die öffentlichen Flächen rund um den Bahnhofplatz, die Bahnhofstrasse und die Seehofstrasse eine optische und funktionale Aufwertung erfahren.
Neue Heimat für die Chilbi und die Skatehalle gesucht
Die Umgestaltung bringt jedoch auch tiefgreifende Veränderungen für das gesellschaftliche Leben mit sich. Durch den Platzbedarf für das zweite SOB-Gleis steht das Areal für die traditionelle Wädenswiler Chilbi nach dem Baubeginn nicht mehr zur Verfügung. Bis 2028 wird diese wie gewohnt stattfinden können, erst ab Herbst 2028 stehen erste Einschränkungen an, ab 2029 muss die Chilbi definitiv weichen. Als Ausweichstandort ist das Areal beim Schulhaus Eidmatt vorgesehen.
Ebenfalls von den Umbauplänen betroffen ist die Jugendkultur: Der historische, denkmalgeschützte Güterschuppen bleibt erhalten, wird aber komplett versetzt und künftig ein elektronisches Stellwerk beherbergen. Bedenken, dass Arbeitsplätze wegfallen, schliessen die Verantwortlichen aus, da die Stellwerktechnik bereits heute automatisiert betrieben wird. Allerdings nutzt der Verein Güterschuppen die Räumlichkeiten aktuell als beliebte BMX- und Skatehalle. Wie Astrid Furrer versichert, steht die Soziokultur der Stadt bereits in intensivem Austausch mit den Jugendlichen, um eine adäquate Ersatzlösung zu finden.
Einschränkungen für Bootsbesitzer am Hafen
Auch für die Wassersportler und Bootsbesitzer bringt die mehrjährige Bauphase Einschränkungen mit sich: Einige Wasser- und Landplätze im Hafenbereich am Seeufer müssen für notwendige Baustelleninstallationen und die Logistik beansprucht werden. Die von den Bauarbeiten betroffenen Mieterinnen und Mieter wurden bereits von der Stadt Wädenswil direkt kontaktiert und über das weitere Vorgehen informiert.
Baustart Ende der 2020er-Jahre
Finanziert wird das 170-Millionen-Projekt über den Ausbauschritt 2035 des Bundes. Verläuft alles nach Plan, starten die Bauarbeiten im Herbst 2028 und die eigentlichen Bauarbeiten ab Anfang 2029 und werden eine Bauzeit von rund sechseinhalb Jahren in Anspruch nehmen.







