Kilchberg finanziert Bank Zimmerberg à gogo
Es ist eine gigantische Zahl: 87’500’000 Franken bilanzierte die „Lindt&Sprüngli“-Gemeinde“ per Jahresende 2025 als „Kurzfristige Finanzanlagen“.
Überschüssiger Cash aus akkumulierten Steuereinnahmen, der, neben weiteren rund 22 Millionen auf diversen Bankkonti, vom freisinnigen Finanzvorstand Peter Barmettler angelegt worden ist.
Über Barmettler thront in der Platin-Küste-Gemeinde eine FDP-Kollegin: Multi-Verwaltungsrätin Phyllis Scholl.
Von den 88 Millionen entfielen 25 Millionen auf die Raiffeisen und 30 Millionen auf die UBS – beides systemrelevante Finanzhäuser.
Der Rest, 33 Millionen, wurde der Bank Zimmerberg für maximal 365 Tage zur Verfügung gestellt.
Im Vorjahr war es sogar noch mehr: 35 Millionen. Dies, wenn mann die kurzfristigen Anlagen bis 90 Tage dazu zählt.
Teilweise zu Zinssätzen von 0,2 Prozent und somit wesentlich tiefer als die Risikoprämien für die beiden Bankgiganten im Schweizer Geschäft.
Bank Who? Diese Frage dürften sich viele stellen.
Letzte Woche hat das 1820 gegründete und auf Hypothekarkredite spezialisierte Bankhaus mit dem Goldenen Schwan im Logo seine Halbjahreszahlen veröffentlicht.
„Der Halbjahresgewinn im Vergleich zum Vorjahr konnte um 4 Prozent auf 1,72 Millionen gesteigert werden“, so die Mitteilung.
Trotz Margendruck wegen der anhaltenden Nullzinspolitik der Schweizerischen Kantonalbank (SNB) und dank konsequenter Kostendisziplin beim Personal- und Sachaufwand, hiess es.
Jahresgewinne der letzten beiden Jahre waren in der Grössenordnung von jeweils etwas über 3 Millionen, dies bei einer Bilanzsumme von gut 1,5 Milliarden und einem Eigenkapital von knapp 110 Millionen.
Da darf im Tagesgeschäft der Hypotheken-Finanzierung der im Wirtschaftsraum Zürich tätigen Regionalbank nicht viel schief gehen.
Zwei Langzeit-Banker stehen an der Spitze der rund 45 Mitarbeiter zählenden „Boutique Bank, die stets für Sie da ist“ mit Hauptsitz in den eingemieteten Seehallen Horgen und einem Nebenstandort am Dorfplatz.
Verwaltungsratspräsident Peter Lutz und CEO Oliver Jaussi.
Die politisch Verantwortlichen in Kilchberg schenken seit Jahren zunehmendes Vertrauen in den lokalen Nischenplayer. Die Ausleihungen wurden seit 2021 von 10 Millionen schrittweise erhöht.
Zuvorderst in der politischen Verantwortung steht der erwähnte Bürgerliche Peter Barmettler.
Als langjähriger Finanzvorstand verantwortet er die Kilchberger Finanzen. Zu diesen zählt auch die Bilanz mit einer Summe von rund 250 Millionen und einem Eigenkapital von 75 Millionen.
Wie in vielen anderen Zürcher Gemeinden fehlt auch in Kilchberg sowohl in der 172-seitigen Vollversion der Jahresrechnung als auch in der Weisung zuhanden der alljährlichen Rechnungsgemeinde-Versammlung eine eingehende Diskussion der Bilanz.
Der Fokus wird auf die „Laufende Rechnung“ und etwas weniger auf die Investitionsrechnung gelegt.
Eben auf das Politische. Auf eine zweifach deponierte Medienanfrage hat die Gemeinde seit letztem Freitag bisher nicht reagiert.
Im Gegensatz zu Küsnacht, wo ein kurzfristiger ungedeckter Betriebskredit von 10 Millionen an die Stadler Rail für Aufsehen sorgt, ist in Kilchberg kein Reglement über die Cash- und Liquiditätsbewirtschaftung auffindbar.
Ein solches könnte unter anderem Maximal-Ausleihungen an eine einzelne Gegenpartei, wie in diesem Fall die Bank Zimmerberg, festlegen.
Dafür existiert ein umfassendes Organisationsreglement für den Gemeinderat. Dieses beinhaltet im Anhang auch mannigfache Kompetenz-Regelungen.
Auf dem Papier wird der Gesamt-Gemeinderat nur über die Anlagen informiert. Der Entscheid liegt abschliessend in der Verantwortung des freisinnigen Barmettler.
Für die Umsetzung (U) ist stufengerecht die Finanzabteilung zuständig.
Die zunehmend hohen Cashbestände im zweistelligen und bald dreistelligen Millionenbereich in über einem Dutzend Gemeinden stellen Verantwortliche, Rechnungsprüfungs-Kommissionen, die Aufsicht sowie die Bezirksräte und das Gemeindeamt in der Direktion für Justiz und des Innern unter der abtretenden Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) und – am Ende – die Stimmberechtigten vor neue Herausforderungen und Diskussionen.
Ein „Default“ wäre verheerend für die Steuerzahlenden der betroffenen Gemeinde. Und politisch vor Ort kaum zu überleben.
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