Workshop «What the Fake»: Fotografierst du noch oder fälschst d …

Mädchen sind stärker betroffen
Dass sich ausschliesslich Mädchen in den Kurs von Stephanie Meier eingeschrieben haben, kommt nicht von ungefähr. «Mädchen sind von der Online-Bilderflut stärker betroffen als Jungs», sagt die Lehrerin. Sie beschäftigten sich mehr mit Instagram, Snapchat und Tiktok. «Dadurch sind sie dem Druck der Selbstinszenierung stärker ausgesetzt. Auch Influencer haben eine Wirkung auf sie und sie fangen an, diese zu kopieren, auf ihren eigenen Fotos zu posieren und diese Aufnahmen zu retuschieren. Das machen Jungs selten bis gar nicht.»
Die Schülerinnen schauten Fotos zunächst noch sehr unkritisch an. «Durch den Workshop wird ihnen bewusst, dass beispielsweise Fake-Bilder als echte Nachrichtenbilder durchgehen können», sagt Meier. «Im Kurs bekommen sie Gelegenheit, innezuhalten und sich zu überlegen, dass Bilder sie oftmals betrügen und dass dahinter eine Absicht steckt.» Ihnen sei kaum bewusst, welches Ausmass diese Fake-Bilderweltwelt inzwischen angenommen habe – etwa, dass man mit Künstlicher Intelligenz (KI) jedwedes Bild generieren könne.
Jovana Pavlović hat diesen Workshop bereits zigmal durchgeführt. Da er für Jugendliche von 12 bis 20 Jahre konzipiert ist, passt sie ihn jeweils an die Altersstufe an. Mit Sek-II-Schülerinnen und -Schülern geht sie mehr in die Tiefe und diskutiert Phänomene wie die politische Instrumentalisierung von Bildern, Mechanismen von Verschwörungstheorien oder die Algorithmus-Kuration ausführlicher. Doch soweit geht sie heute nicht.
«Die Jugendlichen haben noch Mühe zu verstehen, warum die Thematik rund um Fake-Bilder so wichtig ist.» Für sie als Digital Natives sei es völlig normal, selbst solche Technologien für ihre Fotos zu nutzen. Etwa indem sie ihre Bilder mit Filtern oder sogar mit KI bearbeiteten. «Vielen Eltern und nicht selten auch Lehrpersonen fehlt das tiefere Verständnis und der Zugang zu diesen neuen Technologien. Daher findet auch nur ein geringer Austausch und damit wenig Sensibilisierung für die Thematik statt.»
Für Stephanie Meier ist der Workshop des Fotomuseums der perfekte Einstieg in ihre Projektwoche. «Er nimmt mir unglaublich viel Vorbereitungsarbeit ab. Ich konnte einfach eine Fachperson zuziehen und finde die vielen Beispiele, die Jovana Pavlović im Kurs bringt, sehr durchdacht.» Die Lehrerin verfolgt den Workshop aufmerksam, macht sich Notizen, um später in der Woche mit den Mädchen über bestimmte Begriffe zu diskutieren. Und sie meldet sich im Workshop auch mal selbst zu Wort. Denn die Mädchen getrauen sich manchmal nicht so recht, etwas zu sagen, weil sie aus verschiedenen Klassen kommen und einander noch nicht gut kennen.






