Sind KI-Entlassungen echt – oder nur AI Washing?
Überraschend wenige Jobstreichungen sind tatsächlich KI-getrieben. Viele Unternehmen verpacken klassische Restrukturierungen als „AI-Transformationsmassnahmen“.
Ob Schlagzeilen oder Vorstandsbüros – überall hört man, KI lasse Massenarbeitsplätze verschwinden. Doch eine genaue Recherche zeigt: Nur ein kleiner Teil der aktuellen Stellenkürzungen ist wirklich auf Automatisierung zurückzuführen.
Aktuelle Zahlen zu Stellenabbau
Im Oktober 2025 meldeten US-Firmen 153 074 Entlassungen – der höchste Wert seit über 20 Jahren. Bis Ende Oktober summierten sich die angekündigten Kürzungen auf 1,10 Mio. Stellen, ein Anstieg von 65 % im Vergleich zum Vorjahr (Challenger, Gray & Christmas, 2025).
Davon wurden lediglich 31 039 Entlassungen im Oktober und insgesamt 48 414 seit Jahresbeginn als „KI-bedingt“ erklärt – weniger als 5 % aller Kürzungen. Und selbst diese Zuschreibungen bleiben oft unpräzise.
Eine TechRepublic-Umfrage zeigt zudem, dass 55 % der Unternehmen, die vermeintlich KI-bedingt abgebaut hatten, ihre Entscheidung später bereuten. Die Automatisierung sei noch nicht so weit, Menschen vollständig zu ersetzen.
Was steckt hinter AI Washing?
Unter Druck von Investoren möchten Firmen rasch Erfolge mit KI demonstrieren. Zugleich verursachen aufgeblähte Managementebenen hohe Kosten. Kürzungen lassen sich leicht als »KI-Transformation« deklarieren und vermitteln Aktionären, man handle visionär.
In Wahrheit kommen meist einfache Hilfswerkzeuge wie ChatGPT zum Einsatz – für E-Mails, Präsentationen oder Supportskripte, nicht aber für eine grossflächige Automatisierung ganzer Arbeitsbereiche.
Marketing und echte Gründe
Unternehmen wie UPS, Dropbox oder BT führen Entlassungen gerne auf »AI-Transformation« zurück. Wer jedoch genauer hinschaut, erkennt vor allem Kostenreduktion, Hierarchieabbau und Geschäftsmodellanpassungen als Hauptmotive.
Duolingo strich rund 10 % der Vertragskräfte und setzte dabei KI-Tools für Content-Erstellung ein – in erster Linie zur Neuausrichtung von Arbeitsabläufen, nicht zum radikalen Personalabbau.
Klarna, einst stolz auf den Ersatz von 700 Kundendienstpositionen durch einen KI-Assistenten, stellte später Mitarbeiter wieder ein, weil die Qualität nicht stimmte.
Wie KI die Arbeitswelt wirklich verändert
Studien der ILO, OECD und des IWF zeigen: Generative KI ergänzt menschliche Tätigkeiten, statt Massenentlassungen zu verursachen. Die Anforderungen verschieben sich: Routineaufgaben nehmen ab, kreative und überwachende Kompetenzen gewinnen an Bedeutung.
Neue Profile entstehen in Bereichen wie Datenkompetenz, KI-Governance und Mensch-Maschine-Kollaboration. Unternehmen nutzen den Wandel, um Prozesse zu verschlanken, Managementebenen zu reduzieren und sich auf die nächste Produktivitätswelle vorzubereiten.
Fazit für Führungskräfte
Die Berichte suggerieren, KI vernichte Jobs im grossen Stil. Doch nur ein kleiner Bruchteil der über einer Million Stellenstreichungen ist wirklich KI-bedingt. Die meisten Kürzungen sind klassische Restrukturierungen mit moderner Verpackung.
Entscheidend ist nicht das “Ob” von KI, sondern das “Wie”. Führungskräfte sollten fragen: Wie können wir KI einsetzen, um unsere Mitarbeitenden kreativer, produktiver und wertvoller zu machen? Darin liegt die echte Transformation.
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