Kultur als gemeinsamer Raum – Daniela Hallauer, Kulturbeauftra …
Wädenswil hat neuerdings eine Kulturbeauftragte. Mit Unterstützung der Kulturkommission ist sie verantwortlich für die Förderung von Künstlerinnen und Künstlern und Kunst im Allgemeinen.
Text: Ingrid Eva Liedtke
Bild: Anja Kutter
«Kultur ist wichtig, weil sie verbindet. Kultur ist zum einen ein Raum, wo gesellschaftliche Fragen gemeinsam besprochen werden können. Sie ist auch ein Spiegel und eine Möglichkeit für individuelle gesellschaftliche Ausdrucksformen. Darum ist Kultur für den Menschen ein wichtiger Aspekt des Lebens, des Daseins.» so denkt Daniela Hallauer, Kulturbeauftragte der Stadt Wädenswil, wirkt Kultur.
«Musik ist ein anschauliches Beispiel», führt sie weiter aus. «Egal, in welcher Sprache oder in welchem Land, Musik wird immer verstanden. Durch die Kultur macht eine Stadt wie Wädenswil ihren Lebensraum lebenswert. Wir Menschen sind soziale Wesen, die immer einen Austausch suchen, eine Form von Auseinandersetzung und Begegnung. Daher ist es wichtig, dafür einen geschützten Raum zu schaffen. Kultur kann sich da entfalten, wo sie mit Menschen in Berührung kommt, und etwas auslöst. Ich arbeite daran, solche Rahmenbedingungen zu schaffen.»
Wer ist Daniela Hallauer?
Daniela Hallauer wohnt in der Stadt Zürich und das schon die Hälfte ihres Lebens. In der anderen Hälfte ist sie im Kanton Aargau aufgewachsen. Gearbeitet hat sie in beiden Kantonen und dies auch grenzüberschreitend.
«Ich war im Kulturleben in Aarau engagiert. Dort war ich Radioschaffende bei Radio Kanal K, einem nicht gewinnorientierten Lokalradio. Zudem war ich engagiert in der Förderung der Jugendkultur. Kultur hat mich schon mein Leben lang beschäftigt, und ich war immer in unterschiedlichen Projekten aktiv. Viele hatten mit Musik und Klang zu tun. Ich bin selbst Musikerin und habe eine eigene Band, sie heisst Tilia. Das erste Album erschien 2009. Die Band gibt es heute noch, aber in einer anderen Formation. Ich mag es sehr, in Verbindung mit anderen Menschen kreativ zu sein. Dazu müssen wir nicht zwingend die ganz grossen Bühnen erobern.»
Schon aus diesen ersten Sätzen ist Daniela Hallauers Leidenschaft und Inspiration herauszuhören. Diese und ihr breitgefächertes Interesse führten sie in Projekte verschiedenster Sparten. So hat sie auch bei Theaterprojekten mitgemacht, als Veranstalterin.
«Das war zwar oft ein Job, doch vieles daran war auch mit Leidenschaft verbunden. Ohne Leidenschaft kann man solche Aufgaben nicht bewältigen»
Daniela Hallauer hat eine solide Ausbildung. Sie hat an den Universitäten Zürich und Berlin Kulturanalyse und Soziologie studiert.
«Menschen und ihre Lebensgeschichten interessieren mich. Dieses Interesse und meine Neugier haben mir den Einstieg als Kulturbeauftragte der Stadt Wädenswil erleichtert. Eine Zeit lang habe ich auch beim Schweizer Fernsehen SRF gearbeitet. Auch da haben mich die Themen Kultur und Lebensgeschichten begleitet. Zum Beispiel arbeitete ich beim Telefontalk ‹Nachtwach›. Um Mitternacht riefen Menschen an und erzählten ihre Geschichte im Radio und im Fernsehen. Das war eine Sendung für die Schlaflosen.»
Kulturförderung im Pilotprojekt
Daniela Hallauers letzter Job war ein Pilotprojekt der Kantone Aargau und Zürich. Es hiess Regionale 2025, und es ging darum, die Lebensqualität im Limmattal zu verbessern. Hallauer beschreibt das Projekt folgendermassen: «Wir haben uns mit der Raumplanung sowie Gesellschaftsthemen beschäftigt. Es ging darum, innovative Projekte in der Bevölkerung bekannt zu machen. Nach 10 Jahren veranstalteten wir eine Abschlussreihe mit Podien, Tagungen, Führungen oder Vernissagen, um die einzelnen Projekte vorzustellen. Es gab bauliche Projekte, wie zum Beispiel den «Heissen Brunnen» in Baden. Die Initiantinnen und Initianten hatten das Anliegen, das Thermalwasser allen Menschen zugänglich zu machen und haben dazu einen Brunnen gebaut, in dem nun alle kostenlos baden dürfen. Wir lancierten auch Sensibilisierungs-Themen, zum Beispiel ein Projekt des Klangkünstlers Andres Bosshard, der auch für das letztjährige Nachbarswil-Festival von Wädenswil und Richterswil engagiert war. Weiter gab es ein Projekt über künstliches Licht im öffentlichen Raum und die Bedeutung von Dunkelheit für Mensch und Natur im dicht besiedelten Raum. Ich lernte zu vermitteln und Inhalte zu übersetzen für verschiedene Fachbereiche. Da war Diplomatie sehr gefragt.»
Gibt es eine private Daniela Hallauer?
Über ihr Privatleben hält sich Daniela Hallauer eher bedeckt, aber es entsteht der Eindruck, dass Beruf und Privates bei ihr ziemlich nahtlos ineinander übergehen. Ihr grosser Freundeskreis, Sozialkontakte, die ihr viel bedeuten, und eben Kultur, Musik, Kulinarik, das sind alles Bereiche, die auch die Kulturschaffende Daniela Hallauer mehr oder weniger umtreiben.
Ein Ausgleich bildet für sie das Wandern in der Natur, in den Bergen, denn es bedeutet Stille, wie auch das Basteln oder Stricken, in Ruhe etwas mit den Händen machen – ohne grosse Ansprüche. «Ich erschaffe gerne etwas, sehe gerne ein Resultat», sagt sie.
Manchmal macht die viel engagierte Frau auch Gefängnisbesuche im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft ZAA. Sie besucht Menschen in Ausschaffungshaft.
«Ich besuche diese Menschen, um mit ihnen zu reden, damit sie wissen, dass sie nicht ganz alleine sind. Das sind Leute, die sich bessere Lebensumstände wünschen und erhoffen. Meistens haben sie Schreckliches erlebt und sind psychisch angeschlagen. Das ist eine Herausforderung, doch irgendwie gelingt es immer, eine Form der Verständigung zu finden. Sie haben professionelle Sozialarbeitende oder eine psychische Begleitung. Wir von der Besuchsgruppe hören zu, reden worüber auch immer die Gefangenen reden wollen. Ich lache auch oft zusammen mit den Menschen. Es gibt also auch Momente der Leichtigkeit bei diesen Besuchen.»
Kulturbeauftragte der Stadt Wädenswil. Was bedeutet der Job und was bedeutet er Daniela Hallauer?
Daniela Hallauer: «Dies ist eine neue Stelle, die geschaffen wurde, neben der langjährig bestehenden Kulturkommission. Sie ist momentan befristet für drei Jahre. Die Idee ist, gemeinsam das Kulturleben von Wädenswil intensiver zu gestalten und weiterzuentwickeln. Es gibt in der Stadt Wädenswil schon sehr viel Grossartiges, aber man kann Bestehendes weiterentwickeln und auch neue Felder entdecken und sie weiter ausgestalten. Zum Beispiel gibt es noch wenige niederschwellige Ausstellungsräume für Kunstschaffende, auch es gibt keine Galerien mehr.
«Ich bin die Verbindung zwischen den Kulturschaffenden und der Verwaltung. Ich arbeite mit der Kulturkommission zusammen, die sich aus lokalen kulturinteressierten Mitgliedern zusammensetzt und für mich als beratendes Gremium fungiert. Zusammen wollen wir die Kulturlandschaft erweitern.»
Kulturelle und persönliche Anliegen
«Mein Hauptanliegen ist es, Rahmenbedingungen zu gewährleisten, die unterstützend sind für Kulturschaffende. Damit möchte ich ihnen ermöglichen, das zu kreieren, was ihnen am Herzen liegt. Natürlich sind die Bedürfnisse vielfältig, wie auch die einzelnen Schaffensbereiche. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass Begegnungs- und Austauschräume oft ein wirkungsvoller Katalysator sind. Bringt man kreative Menschen zusammen, entstehen wertvolle Synergien und innovative Impulse.»
Kulturellen Ziele für die Stadt Wädenswil
Die Kulturbeauftragte Daniela Hallauer hat sich als ersten Schritt darüber informiert, was in Wädenswil schon vorhanden ist. Dazu hat sie viele Gespräche geführt und eine Umfrage gemacht.
Sie hat Folgendes herausgefunden: Es existieren viele kleine Gruppen, die nicht so gut vernetzt sind. Auch wünschen sich die Kulturschaffenden mehr Sichtbarkeit für ihre Angebote. Diese Sichtbarkeit möchte Daniela Hallauer stärken. Als Weiteres gibt es die wichtige Strategie, das Zentrum zu aktivieren und zu stärken, und dabei spielt die Kultur natürlich eine zentrale Rolle.
Das soll ungesetzt und unterstützt werden mit verschiedenen Veranstaltungen wie zum Beispiel Lesungen, Konzerten, Ausstellungen – mit Kulturevents.
«Die Vernetzung unter den Kulturschaffenden muss gestärkt werden», fährt Daniela engagiert mit ihrer Aufzählung fort. «Dafür müssen Austauschformate kreiert werden. Es gibt dafür schon viele Erfahrungen von anderen Gemeinden, die wir übernehmen können. Darum ist der Austausch mit anderen Kulturbeauftragten von anderen Gemeinden sehr wichtig. Nur so können wir voneinander lernen. Auch das professionelle Kunstschaffen soll verstärkt unterstützt werden. Dabei geht es nicht um die Finanzierung eines Hobbys, sondern um die Unterstützung eines Berufsstands, wie den der Filmemachenden oder der Autorinnen und Autoren.»
Kulturelle Vielfalt fördern
Die Kommunikation gegen aussen zu stärken sei eine der ersten Aufgaben, die angegangen werden müsse. Die digitale Gesuchs-Eingabe soll die Gesuchs-Stellung vereinfachen. Bald sollen neue Förderungsmöglichkeiten gefunden werden.
«Dazu bewerben wir uns für einen Beitrag des Kantons Zürich zur Unterstützung der kulturellen Entwicklung der Gemeinden. Wenn das funktioniert, haben wir ab 2027 mehr Mittel zur Verfügung und können prüfen, wie wir die Kultur damit sinnvoll fördern können, zusammen mit der Kulturkommission und den Kulturschaffenden.»
Kulturelle Stützpfeiler in Wädenswil?
Daniela Hallauer fallen da einige ein, zum Beispiel das Theater Ticino, das sich national einen Namen gemacht hat, das Schlosscinema, das einzige Kino am linken Zürichseeufer, das ein ausgewähltes Filmprogramm anbietet, und die Kunsthalle 8000, die hochkarätige internationale Kunst nach Wädenswil bringt.
Dringender Handlungsbedarf und das ehrenamtliche Engagement
«Räume sind ein grosses Thema», sagt die Kulturbeauftragte, «und das nicht nur in der Stadt Wädenswil. Es braucht Proberäume und Ausstellungsräume, die günstig zu mieten sind.»
Eine grosse Betonung möchte Daniela Hallauer auf das ehrenamtliche Engagement legen. «Menschen, die bereit sind, sich zu engagieren, sind sehr gesucht und herzlich willkommen. Sowohl das gesellschaftliche als auch das kulturelle Leben ist darauf angewiesen.»
Junge Kunstschaffende in den Kunstkästen
«Und wir wollen mehr junge Kunstschaffende erreichen. Eine erste Möglichkeit, Werke zu zeigen, bieten wir mit dem Schaukasten in der Wädenswiler Bahnhofsunterführung. Eine weitere Möglichkeit ist, in den Kunstfenstern im Dorfhuus Schönenberg auszustellen. Es sind Orte, wo Kunstschaffende ihre Werke zeigen können.»
Kann auf Kulturförderung verzichtet werden?
«Nein!» Die Antwort kommt wie aus der Kanone geschossen. Da ist Daniela Hallauer sehr engagiert und auch bestimmt: «Kultur kann sich nicht selbst finanzieren. Würde man versuchen, die echten Kosten von einem Konzert oder einer Theaterproduktion zu decken, wären die Preise für das Publikum wohl unbezahlbar.
Kultur soll kein Luxusgut, sondern möglichst allen zugänglich sein. Die Honorare für die Kunstschaffenden sind in den meisten Fällen auch so noch verhältnismässig gering. Oft decken die Einnahmen nur einen Bruchteil der eigentlichen Kosten. Kulturförderung fördert also nicht nur die Kunstschaffenden direkt, sondern ermöglicht, dass viele Menschen Kultur nutzen und geniessen können.»
Fazit über die ersten Monate in der Stadt Wädenswil
«Wädenswil ist Neuland für mich», sagt Daniela Hallauer, «auch wenn meine Verwandten hier aufgewachsen sind. Ich finde es sehr eindrücklich, wie viele Initiativen es in Wädenswil gibt, die zu dem schon vorhandenen Angebot führen. Es wurde mir schon viel Interesse entgegengebracht. Die Menschen in Wädenswil sind sehr offen. Das hat mir das Ankommen erleichtert. Ich fühle mich überall sehr willkommen.»
Kulturschaffende melden sich mit ihren Anliegen gerne bei: kultur@waedenswil.ch







