Sonnenlicht auf Bestellung – Weltraumspiegel sollen die Nach …
Sonnenlicht auf Bestellung - Weltraumspiegel sollen die Nacht erhellen
Bereits 2026 sollen erste Tests mit zwei Satelliten stattfinden. Langfristig plant das Unternehmen, die Anzahl deutlich zu erhöhen: 2028 sollen mehr als 1.000 und ab 2035 über 50.000 Satelliten im Einsatz sein. Jeder Satellit ist mit grossen, steuerbaren Spiegeln ausgestattet, die Sonnenlicht gezielt auf bestimmte Orte auf der Erde reflektieren. Kund:innen sollen dafür bezahlen, zu einem bestimmten Zeitpunkt zusätzliches Sonnenlicht zu erhalten. Beispielsweise, um in Solarparks länger Strom zu produzieren, Baustellen zu beleuchten oder nächtliche Einsätze von Militär und Rettungskräften zu erleichtern.
Sonnenlicht statt Strom: reflektiertes Licht ohne Infrastruktur
Der Vorteil von reflektiertem Sonnenlicht gegenüber künstlicher Beleuchtung bestehe darin, dass weder Strom noch physische Infrastruktur wie Strommasten und Leitungen auf der Erde benötigt werden. Laut Reflect Orbital gehe von der Anwendung zudem keine Gefahr für Mensch und Umwelt aus: das reflektierte Licht sei nicht hell genug, um Brände auszulösen oder die Augen zu schädigen. Sensible Bereiche wie Forschungsobservatorien oder geschützte Lebensräume könnten ausserdem gezielt gemieden werden.
Satellitenlicht: 40-mal heller als der Vollmond
Expert:innen verschiedener Fachbereiche sind jedoch anderer Meinung. Ein Gruppe von Forschenden der Princeton University, der Slowakischen Akademie der Wissenschaften und der Comenius-Universität in Bratislava veröffentlichten kürzlich eine Studie zum Thema. Sie kamen zum Ergebnis, dass innerhalb des Zielbereichs des Lichtstrahls, welcher als kreisförmige Fläche mit einem Durchmesser von 5 km vorgesehen ist, ein einzelner Reflect Orbital-Satellit etwa 40-mal heller erscheinen würde als der Vollmond. Selbst 14 km vom Zentrum des Strahls entfernt wäre der Satellit noch immer so hell wie der Vollmond.
Breiter Widerstand gegen die Licht-Satelliten
Die US-Behörde FCC (Federal Communications Commission) genehmigte bereits die ersten beiden Demonstrationssatelliten, lehnte es jedoch ausdrücklich ab, die ökologischen oder astronomischen Auswirkungen des Vorhabens zu bewerten. Seitdem sind mehr als 1.800 Stellungnahmen eingegangen, in denen Widerstand gegen die Pläne geäussert wird. Die große Mehrheit stammt von Astronom:innen, Pilot:innen, Naturschutzverbänden und Bürger:innen. Zu den genannten Bedenken zählen mögliche Augenschäden, Beeinträchtigungen der Astronomie, Einschränkungen der Flug- und Verkehrssicherheit, mögliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit sowie negative Folgen für Wildtiere. Eine Gruppe von Organisationen, darunter DarkSky International und die American Bird Conservancy, forderte die FCC auf, ihre Genehmigung für den ersten Satelliten erneut zu prüfen.
Negative Einflüsse von künstlichem Licht auf Pflanzen, Tiere und Menschen
Für Wildtiere ist die nächtliche Beleuchtung bereits jetzt ein grosses Problem: sie stört den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus, kann die Orientierung beeinträchtigen und wichtige Verhaltensweisen wie Nahrungssuche, Fortpflanzung und Migration verändern. Lichtscheue Arten, wie z.B. Fledermäuse, meiden hell beleuchtete Bereiche und werden so in ihrem Bewegungsradius eingeschränkt. Insekten, auf der anderen Seite, werden von künstlichen Lichtquellen angezogen und können als Folge an Erschöpfung sterben. Sie fehlen dann als Nahrung für andere Tiere. Gleichzeitig nimmt die Bestäubung von Pflanzen durch nachtaktive Insekten ab. Die zunehmende Lichtverschmutzung beeinträchtigt dadurch nicht nur einzelne Tierarten, sondern kann ganze Nahrungsketten und ökologische Gleichgewichte verändern. Und auch für die menschliche Gesundheit hat die fehlende Dunkelheit negative Folgen. Licht in der Nacht hemmt die Melatoninproduktion und beeinträchtigt dadurch die Schlafqualität. Das kann zu Schlafstörungen, Depressionen und Burn-out führen.
Zunahme der Lichtverschmutzung zu befürchten
Neue Technologien, wie das Vorhaben von Reflect Orbital, werden die Problematik der Lichtverschmutzung weiter verschärfen. Die Weltraumspiegel könnten in Zukunft auch bisher noch dunkle Gebiete beleuchten und natürliche Nachtphasen weiter verkürzen. Die langfristigen Auswirkungen der zusätzlichen Beleuchtung in grossem Massstab sind dabei nicht klar abschätzbar. Angesichts der bereits bestehenden Probleme durch die zunehmende Verbreitung künstlicher Lichtquellen sollte deshalb eine weitere Aufhellung der Nacht vermieden werden.







