Ein Cupfest, das in Erinnerung bleibt – FC Thalwil fordert den F …
Schon vor dem Anpfiff war klar, mit welcher Einstellung der Aussenseiter in dieses Spiel gehen wollte. Gianni Lavigna hatte angekündigt, mit seiner Mannschaft an diesem Nachmittag Fussballgeschichte schreiben zu wollen.
Und genau mit dieser Haltung begann der FC Thalwil.
Von der 1. Minute an trat die Mannschaft mutig, aggressiv und konzentriert auf. Statt sich tief vor dem eigenen Strafraum zu verschanzen, suchte Thalwil die Zweikämpfe und machte dem Favoriten das Leben schwer.
St. Gallen hatte zwar erwartungsgemäss mehr Ballbesitz, fand zunächst aber kaum einen Weg durch die gut organisierte Thalwiler Defensive.
In der 17. Minute musste Noel Baumann erstmals ernsthaft eingreifen. Konietzke versuchte es von ausserhalb des Strafraums, doch der Thalwiler Torhüter war sicher zur Stelle.
Auch danach blieb St. Gallen gefährlicher, ohne den Klassenunterschied wirklich sichtbar machen zu können. Hunziker kam zu einem Kopfball, Fazliji versuchte es aus der Distanz – Baumann war jeweils auf dem Posten.
31. Minute – unglückliches 0:1
Ausgerechnet als Thalwil den grossen Favoriten weiterhin erfolgreich vom eigenen Tor fernhielt, fiel das 0:1.
Nach einem Ballgewinn der Gäste kam Bastien Fazliji im Strafraum zum Abschluss. Dion Salihu versuchte den Schuss zu blockieren, lenkte den Ball dabei jedoch so unglücklich ab, dass er für Baumann nicht mehr zu erreichen war.
31’ – FC Thalwil 0:1 FC St. Gallen, Fazliji.
Ein bitterer Gegentreffer für eine Thalwiler Mannschaft, die bis dahin kaum etwas zugelassen hatte.
Kurz darauf hatte Fazliji erneut Pech beziehungsweise Thalwil das nötige Glück: Sein Schlenzer aus der Distanz landete am Aussenpfosten.
In der 42. Minute bot sich St. Gallen die grosse Möglichkeit zum zweiten Treffer. Nach einer Kombination über Hunziker und Besio kam Witzig am zweiten Pfosten zum Abschluss, setzte den Ball jedoch knapp am Tor vorbei.
So ging es mit einem knappen 0:1 in die Pause.
Und dieses Resultat war gleichzeitig ein grosses Kompliment an den FC Thalwil. Über 45 Minuten hatte der Erstligist mit Leidenschaft, Disziplin und enormem Einsatz dagegengehalten. St. Gallen führte verdient, hatte aber hart dafür arbeiten müssen.
Thalwil kommt mutig aus der Kabine
Nach der Pause nahm Gianni Lavigna erste personelle Veränderungen vor. In der 51. Minute kamen Luke Gonzenbach für Edis Memic, Emil Crnovrsanin für Leon Gjikollaj und Michele Pepe für Dion Salihu.
Doch entscheidender war: Thalwil wurde nun auch offensiv immer mutiger.
Und dann kam die Szene, die dieses Cupspiel möglicherweise in eine völlig andere Richtung hätte lenken können.
55. Minute – Bonsu hat den Ausgleich auf dem Fuss
Captain Denis Haliti spielte einen hervorragenden hohen Ball hinter die St. Galler Defensive. Kedy Bonsu startete im richtigen Moment, setzte sich gegen Kleine-Bekel durch und lief alleine auf Torhüter Watkowiak zu.
Für einen Augenblick schien das 1:1 zum Greifen nahe.
Bonsu traf den aufspringenden Ball jedoch nicht optimal, und Watkowiak konnte mit einer starken Reaktion zur Ecke klären.
Es war die bis dahin grösste Chance des FC Thalwil – und plötzlich spürte jeder auf dem Brand: Hier ist vielleicht tatsächlich etwas möglich.
Nur drei Minuten später, in der 58. Minute, setzte Bonsu die St. Galler Defensive erneut massiv unter Druck. Kleine-Bekel verlor als letzter Mann den Ball gegen den Thalwiler Stürmer. Bonsu legte ihn sich allerdings etwas zu weit vor, sodass Watkowiak weit aus seinem Tor kommen und im letzten Moment klären konnte.
Thalwil befand sich jetzt in seiner stärksten Phase des Spiels.
60. Minute – der Treffer mitten in Thalwils beste Phase
Und genau in diese Drangperiode hinein schlug der Favorit zu.
Owusu bekam auf der rechten Seite Raum, zog in den Strafraum und legte überlegt zurück. Der kurz zuvor eingewechselte Leonard Frokaj schloss ab. Morina berührte den Ball noch leicht und machte ihn für Baumann endgültig unhaltbar.
60’ – FC Thalwil 0:2 FC St. Gallen, Frokaj.
Es war ein harter Schlag. Statt des durchaus möglichen 1:1 stand es plötzlich 0:2.
Doch Thalwil gab nicht auf.
In der 63. Minute ersetzte Yves Meier Flynn Kopp, vier Minuten später kam Male Tolaj für Kedy Bonsu.
In der 66. Minute lag der Ball zwar erneut im Thalwiler Tor, doch Besio war beim Zuspiel aus einer Abseitsposition gestartet. Der Treffer wurde folgerichtig aberkannt.
Thalwil sucht den verdienten Ehrentreffer
Auch mit zwei Toren Rückstand spielte Thalwil weiter nach vorne.
In der 70. Minute entstand die nächste gute Möglichkeit. Meier verpasste den Ball zunächst, wodurch Crnovrsanin beinahe zum Abschluss gekommen wäre. Doch Watkowiak reagierte aufmerksam und entschärfte auch diese Situation.
In der 78. Minute zeigte der junge Emil Crnovrsanin nochmals seine Qualitäten. Nach einem feinen Aussenristpass von Haliti liess er an der Strafraumgrenze Ruiz mit einer Finte stehen und suchte selbst den Abschluss. Dieser geriet allerdings zu harmlos, um Watkowiak ernsthaft in Schwierigkeiten zu bringen.
Thalwil hätte sich zu diesem Zeitpunkt einen Treffer längst verdient gehabt.
Auf der anderen Seite erinnerte St. Gallen in der 80. Minute nochmals an seine individuelle Klasse: Vandermersch kam im Strafraum frei zum Abschluss und traf die Querlatte.
Mit zunehmender Spieldauer machten sich bei den Thalwilern die enormen Anstrengungen bemerkbar. Trotzdem kämpfte die Mannschaft weiter, warf sich in die Zweikämpfe und versuchte bis zuletzt, den eigenen Fans noch einen Treffer zu schenken.
90.+4 – das 0:3 mit praktisch der letzten Aktion
Der letzte Treffer des Nachmittags fiel erst unmittelbar vor dem Schlusspfiff.
Eine Hereingabe von Vandermersch rutschte bis zum zweiten Pfosten durch, wo Frokaj frei zum Abschluss kam und durch die Beine von Baumann zum 0:3 einschob.
90.+4’ – FC Thalwil 0:3 FC St. Gallen, Frokaj.
Schiedsrichter Prskalo liess die Partie danach gar nicht mehr anspielen.
Schlusspfiff: FC Thalwil – FC St. Gallen 1879 0:3.




