Wanderfahrt 2026: Lago d’Orta und Lago Maggiore – ein perfekte …
Ein Erlebnisbericht aus zwei Perspektiven: Zuerst aus der Sicht von Jutta Vallone als Teilnehmende:
Kurz und knackig sollte der Bericht der Wanderfahrt werden. Gar nicht so einfach, denn die 4 Tage (24. bis 27. Sept.) waren voll mit unvergesslichen Erlebnissen und großartigen Eindrücken!

Reto brachte uns 14 ruderfreudige Teilnehmer am Donnerstag frühmorgens mit dem Bus von Thalwil über den Gotthard nach Italien zum Ruderclub der Canottieri Lago d’Orta. Kaum angekommen, hätten wir beinahe eine Busse von einem eifrigen Caribinieri bekommen, weil wir ein wenig ungünstig angehalten hatten. Lara konnte ihn glücklicherweise beschwichtigen. Wir lernten: «Siamo in Italia“ aber: “con i Carabinieri non si scherza“.
Wir mussten feststellen, dass die Boote im Ruderclub am Lago d’Orta leider nicht die gleiche Pflege wie bei uns in Thalwil bekommen. Nachdem wir die Boote vom gröbsten Dreck befreit hatten, konnte die erste Ausfahrt beginnen. Wir drehten unsere erste Runde um die Insel San Giuglio vorbei bis zum Lido di Gozzano. Ein perfekter Einstieg in unsere vier Tage am Wasser.

Wir bezogen unser Quartier in Pettenasco und liessen den Abend bei feinem Essen mit Pizza, Pasta, Wein, Limoncello und anderen Köstlichkeiten ausklingen.
Am Freitagmorgen empfing uns im Ruderclub Paolo. Zusammen mit Heiner brachte er den schmalen hellblauen 4er in Schuss und nachdem er geputzt war, strahlte er himmelblau. Dann heiss es: Boote ins Wasser! Leider standen auch wir im Wasser, denn der Steg sank ab, wenn zu viel Personen darauf waren.
Es sollte diesmal an das Nordufer des Ortasees, nach Omegna, gehen. Direkt vor dem Restaurant Canottieri konnten wir einen Nasssausstieg machen und gönnten uns einen feinen Capuccino. Ausgeruht und gestärkt ging es wieder zurück.
Zwischenzeitlich war auch der Ruderclub Thun, der jedes Jahr eine Wanderfahrt an den Lago d’Orta macht, bei den Canottieri eingetroffen. Bernhard und Lara stiegen am Nachmittag nochmals mit ihnen ins Boot und drehten eine zusätzliche Runde. Der Rest der Gruppe genoss zuerst mal eine feine Glace und bummelte dann entspannt durch den Ort. Den Abend verbrachten wir gemeinsam mit den Kollegen vom Ruderclub Thun in einem netten Restaurant.
Am Samstagvormittag wechselten wir das Sportgerät. Statt Ruderbooten warteten diesmal Kajaks auf uns und wir paddelten zum gegenüberliegenden, naturbelassenen Ufer und trainierten zur Abwechslung unsere Schultermuskeln. Wir mussten alle feststellen, dass man beim Kajakfahren deutlich nasser wird als nach einer Ruderausfahrt. Aber alles halb so schlimm: die Sonne trocknete uns wieder.
Nach dieser sportlichen Herausforderung und einer kleinen Stärkung zog es uns am Nachmittag nochmals aufs Wasser. Eine kurze Ausfahrt rund um die Insel San Giulio bildete den Abschluss unseres Aufenthalts am Lago d’Orta.
Nach all den sportlichen Aktivitäten liessen uns müde und zufrieden von Reto nach Losone am Lago Maggiore chauffieren. Ein feines Znacht in einem wunderbaren Grotto schloss diesen Tag ab.
Am Sonntag wartete bereits das nächste Highlight auf uns. Der Ruderclub Canottieri Locarno empfing uns herzlich und Antonella begleitete uns bei der Ausfahrt auf dem Lago Maggiore. Der See zeigte sich von seiner allerbesten Seite: kein Wind, ruhiges Wasser, Sonnenschein und eine fantastische Landschaft. Was will ein Ruderherz mehr?
Von Locarno führte unsere Fahrt über Tenero und Gambarogno nach Ascona. Vor der beeindruckenden Bergkulisse konnten wir die letzten gemeinsamen Ruderkilometer in vollen Zügen geniessen. Vier Tage, zwei Seen, unzählige Ruderschläge, traumhaftes Wetter und jede Menge schöne Erinnerungen: das war meine erste Wanderfahrt.
Und eine Wanderfahrt aus der Sicht des Fahrers Reto Bussmann:
Weil der Clubbus für alle Teilnehmenden an der Wanderfahrt zu klein war und der Clubbus ohnehin für die Regatta Sursee besetzt war, haben wir uns entschlossen, einen Kleinbus bei der Firma Busmiete.ch zu mieten. Und weil unsere Gruppe mit relativ viel Gepäck unterwegs war, haben wir einen Anhänger für die Koffer und Reisetaschen dazugemietet. Unser Gefährt, ein Renault Master der Dino-Class, gehört zur alten Garde, ist ein 3,5-Tonnen-Fahrzeug, ist geräumig und es bietet viele Sitze an. Seit 15 Jahren ist dieser Bus im Einsatz und hat sagenhafte 436’014 Kilometer auf den Achsen. Und nach unserer Reise in die Südschweiz und nach Norditalien werden es 726 Kilometer mehr sein.


Tagwache am Donnerstag, 24. September 2026 war früh – sehr früh. Denn um 06.00 Uhr musste ich bereits in Rümlang sein zur Abholung meines Gefährts, damit ich um 07.00 Uhr beim Bootshaus des RCT meine Reisegruppe abholen konnte. Viele kennen den Bus von früheren Wanderfahrten und wissen, wie es läuft und dass ich kein Raser bin, sondern ein vorsichtiger Fahrer mit grosser Erfahrung. Man kann auch nicht rasen, denn das Maximum ist hundert KMH. Die Fahrt zum Gotthard ist ruhig, kein Meter Stau, im Tunnel hinter mir und vor mir gähnende Leere – so schön. Und bald nach dem Gottardo kommt eine Tankstelle, damit wir Kaffee tanken können. Lara Vendrame ist meine Co-Pilotin und sie schlägt vor, über Chiasso, Como, Varese zu fahren. Die Idee war prächtig, denn vor Mittag haben wir unser Ziel in Orta San Giulia am Lago d’Orta bereits erreicht. Nach einem kleinen Disput mit einem Carrabinieri – nur weil ich mein langes Gefährt auf einer vielbefahrenen Strasse angehalten habe – haben wir realisiert: «siamo in Italia».
Die Ruderinnen und Ruderer waren hungrig nach Rudern. Doch zuerst verzehrten sie die mitgebrachten Sandwiches und Snacks. Der Chef vom lokalen Ruderclub «Canottieri Lago d’Orta» wählte mit uns die passenden Ruderboote aus. Das Bootsmaterial war eher dürftig und musste zuerst geflickt und geschraubt werden. Als Fahrer durfte ich ruhen, ein alkoholfreies Bier … geniessen und zu Fuss die Gegend erkunden.
Am Freitag brachte ich die Mannschaft vom Hotel Tabarini in Pettenasco zum Bootshaus in Orta San Giulio und danach rekognoszierte ich den Weg zum Ristorante Madonna Della Neve hoch oben auf dem Berg, wo wir am Abend zusammen mit einer Gruppe vom Seeclub Thun dinieren werden. Am Nachmittag spazierten wir – nach dem Genuss eines himmlischen Gelati – um die Halbinsel bei Orta San Giulio und nahmen ein Schiff zur Isola San Giulio, auf welcher es gespenstig ruhig war. Das Nachtessen bei der Madonna Della Neve war sehr gut. Als Chauffeur wählte ich als Getränk viel Wasser und ein Coca Cola, welches mich farblich an einen schweren Barolo erinnerte.
Am Samstag stand der Crew eine Ausfahrt mit Kanus auf dem Programm und ich wanderte zehn Kilometer durch die traumhaften Wälder am Orta-See. Nach einer letzten Ruderfahrt auf diesem flachen Gewässer war eine Weiterfahrt nach Locarno am Lago Maggiore angesagt. Die Strassen zwischen Verbania und Brissago sind kurvig und relativ schmal, und ich war froh, dass ich keinen Bootsanhänger mitschleppen musste, denn wir haben sinnvollerweise Ruderboote in den lokalen Ruderclubs gemietet. Nach einem delikaten Nachtessen im Grottino Ticinese Losone bei Sandra e Claudio nächtigten wir kurz im Hotel Hampton by Hilton. Am Sonntagvormittag war für die Rudernden eine lange Ausfahrt auf dem Lago Maggiore angesagt. Die Leute der Societa Canottieri Locarno waren sehr gastfreundlich. Ich selbst genoss während eines dreistündigen Spaziergangs die Gestaden von Muralto und Locarno und machte mich bereit für die lange Rückfahrt via Gotthardtunnel – mit 4km Stau – nach Thalwil.



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