Leuchtende Augen
Die zierliche junge Frau aus Afghanistan erzählt strahlend und in gutem Deutsch von ihren kürzlich absolvierten Schnupperlehren und beschreibt, welche Ausbildung sie für die Zukunft anstrebt. Seit etwa eineinhalb Jahren lebt sie zusammen mit ihrer Mutter und den beiden Brüdern in der Schweiz und hat seitdem bereits einige grosse Schritte in die Richtung eines unabhängigen und selbstbestimmten Lebens gemeistert. Als sie noch ein Kind war, wurde ihre Familie ein erstes Mal vertrieben – sie flüchteten in den Iran. Einige Jahre später ging es weiter in die Türkei, von wo sie wieder einige Jahre später über das UNHCR (UNOFlüchtlingsorganisation) von der Schweiz als sogenannte Resettlement-Flüchtlinge anerkannt und aufgenommen wurden. Mit Anfang zwanzig stand sie so bereits zum dritten Mal in ihrem Leben vor einem kompletten Neuanfang in einem fremden Land. Dieses Mal zum Glück mit vollem Flüchtlingsschutz und der Möglichkeit, sich zu integrieren und damit tatsächlich eine Zukunftsperspektive zu haben.
Tochter und Schwester
Nur im Ansatz kann ich mir wohl vorstellen, welche Last eine lange Zeit auf den schmalen Schultern dieser jungen Afghanin gelastet haben muss: Der Vater vor langer Zeit verstorben, der ältere Bruder durch einen schweren Unfall und die Mutter durch ein hartes Leben gezeichnet, der jüngere Bruder noch klein – so trug sie zu einem Grossteil die Verantwortung für die Familie. Eingeprägt hat sich bei mir der Wunsch in Bezug auf ihre Familie, den sie kurz nach ihrer Ankunft in Thalwil geäussert hat: Endlich «nur» noch Tochter und Schwester zu sein. Gespannt freue ich mich darauf, die junge Geflüchtete noch ein gutes Stück weiter auf ihrem Weg begleiten zu dürfen und hoffe auf noch viele mit leuchtenden Augen begleiteten Begegnungen mit ihr.
Herzlich,
Karin Huber
Seit der Ratifizierung der Genfer Flüchtlingskonvention im Jahr 1955 hat die Schweiz regelmässig Flüchtlingsgruppen aufgenommen. Davon profitierten Menschen aus Ungarn, Tibet, Indochina (Boat People), Chile, Irak, Sudan, Tunesien und Ex-Jugoslawien und in neuerer Zeit zum Beispiel auch aus Syrien und Afghanistan. Die Gemeinde Thalwil beteiligt sich seit zwei Jahren mit einem Kontingent von 50 Personen am Resettlement-Programm des Bundes.
Kontakt:
Sozialdienst Thalwil
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E-Mail: soziales@thalwil.ch
Telefon: 044 723 22 35




