Entlang der grünen Moldau
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Am 21.Mai trudelten alle 16 angemeldeten Teilnehmer und einer unserer Rudelreiseführer – ach nein – Ruderreiseführer! mit seinem Assistenten in Budweis ein.
Die einen kamen mit dem Zug aus der Schweiz, die anderen aus Wien, die nächsten wurden eingeflogen und diejenigen, die die Ruderboote am Hals, beziehungsweise hinter dem Auto hatten, kamen aus der Richtung Berlin und Meissen, deren Klub uns netterweise vier Boote überlassen hat für unseren Abenteuerurlaub.
Bei einem kühlen Budweiser – natürlich! – und verschiedensten gastronomischen Leckereien wurden die nächsten Tage besprochen. Am nächsten Morgen wurden die Pläne spontan wieder über den Haufen geworfen und mit unserer mittlerweile eingetroffenen tschechischstämmigen rudernden dritten Reisebegleitung neu ausgerichtet.
Ein Teil der Gruppe wagte den Sprung ins kalte Wasser und ruderte die erste Etappe wie vorgesehen. Der andere Teil zog es vor, sich dem angekündigten Platzregen zu entziehen und stattdessen das Städtchen Český Krumlov, ein UNESCO-Weltkulturerbe, zu besichtigen. Nach diesem kühlen Tag, der trotzdem mit Humor und sportlichem Engagement gemeistert wurde, ging es wettermässig bergauf. Zu heiss wurde es selten, aber der uns bis auf die Knochen durchdringende kalte Regen sollte uns erst kurz vor Ende unserer Tour nochmals ereilen.
Fleissig ruderten wir entlang der Moldau, wobei sich 68 Kilometer unserer etwa 200 Kilometer langen Strecke auf dem Stausee Orlik befanden. Vor allem grüner Wald und vielfältiges Vogelgezwitscher waren unsere ständigen Begleiter. Die zweitwichtigsten Erscheinungen waren Fischer (wir wunderten uns, welcher Teil der Bevölkerung wohl arbeitet, so viele junge, alte, dicke, dünne, bärtige und weniger bärtige Angler säumten den Fluss!). Zudem zierten vielerorts an Hexenhäuschen erinnernde Häuser versteckt an den Hängen des Waldes und Hausboote unseren Weg.
Ich glaube, ich kann im Namen aller sagen, dass wir bereits am zweiten Tag tiefenentspannt waren und das Alltagsleben in weite Ferne gerückt war.
Der Standard in manchen Hotels war für den ein oder anderen etwas gewöhnungsbedürftig, was durch die unsommerlichen Temperaturen und die meist ausgeschalteten Heizungen noch spürbarer wurde, aber umso intensiver wurden dafür die heissen Duschen und das tschechische Bier genossen … und hin und wieder der ein oder andere Slibowitz.
Besonders kreativ und bisher unbekannt für uns waren die Metho–den, die Boote zu schleusen. Es gab ganz normale Schleusen, aber wir kamen auch in den Genuss eines Liftes, der unser Boot erst hinauf–beförderte und dann hinunterfuhr. Die Gewichtsstaumauer von Orlik hat eine Höhe von 91 Metern, mit einer Schleusenkammer ist das also nicht zu regeln (die tiefste Schleusenkammer der Welt beträgt 42 Meter). An der Schleuse Slapy wiederum wurden unsere Boote von einem Traktor mit einem raffinierten Bootsanhänger über die reguläre Strasse zur anderen Seite der Schleuse gefahren.
Unser letzter Rudertag war der wärmste seiner Art. Am Dienstag ruderten wir nach Prag und nach dem Passieren der letzten Schleuse waren wir auf einmal nicht mehr allein. Eine Autobahn ist dagegen harmlos! Wir befanden uns plötzlich mitten in einem Gewimmel von Ruderbooten, Skiffs, Drachenbooten, Kanus und Kajaks … und Trainern, die eifrig die Moldau hoch und runterfuhren und ihre Schützlinge instruierten.
Nach dem Versorgen der geborgten Boote fuhren wir zu unserem Hausboot, wo wir die letzte Nacht beziehungsweise Nächte verbringen sollten.
Prag zog uns mit wunderschönen historischen Häuserfronten in seinen Bann. Gutes Essen, gemütliche Lokale, Kunst, Geschichte und nochmals Regen rundeten unsere wunderbaren Ruderferien ab.
„Na zdravì“ sag ich da nur! Schön war‘s!
P.S. Vorsicht! Wer stattdessen beim Zuprosten „nádraží“ sagt, liegt falsch. Das ist zwar nicht unsittlich, aber man sagt zum anderen damit lediglich “Bahnhof”.
Tessy van Daalen
Weitere Fotos sind in der Galerie zu finden: Moldau 2025
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