Der Schweizer Overshoot Day ist ein Weckruf für Bevölkerung, Wir …
Der Schweizer Overshoot Day ist ein Weckruf für Bevölkerung, Wirtschaft und Politik
Würden alle Menschen so leben wie die Schweizer Bevölkerung, wären heute, am 11. Mai 2026, alle Ressourcen fürs Jahr verbraucht. Wie können wir diesen Tag nach hinten verschieben und die Kreislaufwirtschaft stärken?

Der diesjährige Schweizer Overshoot Day fällt auf den 11. Mai. Ab heute lebt die Schweiz, so zu sagen, auf Pump. Wie die meisten Industriestaaten gehört auch unser Land zu den grossen Verbrauchern: Wir verbrauchen unsere natürlichen Ressourcen schneller, als sie nachwachsen oder sich regenerieren können. Dieses Datum im Frühjahr ist ein deutlicher Hinweis, dass unser aktuelles Wirtschaftssystem an seine Grenzen stösst.
Wie können wir diesen Tag nach hinten verschieben?
1. Kreislaufwirtschaft als Erfolgsfaktor anerkennen
Der erste Schritt ist ein Perspektivenwechsel: Nachhaltigkeit darf nicht länger als Kostenfaktor betrachtet werden, sondern muss als wirtschaftliche Chance verstanden werden. Deshalb arbeitet öbu mit Mitgliedsunternehmen im strategischen Handlungsfeld „Wertschöpfungskette und Kreislaufwirtschaft“ gezielt daran, Lösungen sichtbar zu machen und in die Praxis zu bringen, denn Organisationen, die auf langlebige Produkte, Reparierbarkeit und Wiederverwertung setzen, profitieren langfristig nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch.
2. Ausbau flächendeckender Sammlung
Ein funktionierendes Sammel- und Recyclingsystem bildet die Grundlage der Kreislaufwirtschaft. Gerade Getränkekartons (z. B. von Tetra Pak) und Plastikverpackungen machen einen grossen Teil der Lebensmittel-Verpackungen aus – umso wichtiger ist es, diese Materialien wieder in den Kreislauf zurückzuführen. Eine flächendeckende Sammlung sorgt dafür, dass diese wertvollen Rohstoffe erhalten bleiben. Lösungen wie der RecyBag zeigen, wie das im Alltag funktionieren kann: Getränkekartons und Plastik lassen sich gemeinsam sammeln und im Detailhandel und auf Werkhöfen zurückgeben.
3. Produkte neu denken: Design for Circularity
Werden Produkte bereits im Design so entwickelt, dass Materialien trennbar, langlebig und gut recycelbar sind, spricht man von Design for Circularity. Beim Getränkekarton ist dieses umgesetzt: Die drei Schichten – Karton, Aluminium und Kunststoff – lassen sich recyceln. In der Praxis sind Rezyklate aus dem Kunststoff-Aluminium-Gemisch (PolyAl) jedoch bisher begrenzt gefragt. Darum engagieren sich die Getränkekarton Produzenten konsequent für die Weiterentwicklung von Recyclinglösungen sowie für optimiertes Verpackungsdesign. So sind bereits heute Getränkekartons auf dem Markt, die mit nur zwei anstelle von drei Materialschichten auskommen.
4. Konsumverhalten verändern
Unser Verhalten spielt eine entscheidende Rolle. Oft sind es kleine Veränderungen im Alltag, wie etwa den Recycling-Bag regelmässig zu nutzen oder den Knopf an der Bluse wieder anzunähen, die einen positiven Impact generieren. Nebst den grossen Konzernen hat jeder Einzelne von uns die Verantwortung, Ressourcen zu schonen und kreislauffähige Modelle zu unterstützen.
5. Politik und Wirtschaft in die Verantwortung nehmen
Ohne klare Rahmenbedingungen wird der Wandel nur langsam voranschreiten. Besonders beim Erreichen von Sammelquoten brauchen wir die Politik – und es geht voran: So schafft beispielsweise die Totalrevision der Verordnung über Getränkeverpackungen die rechtliche Grundlage, um Getränkekartons schweizweit in ein einheitliches Sammel- und Recyclingsystem zu integrieren – dies, mit einer Verwertungsquote von 70 %. Damit wir die Kreislaufwirtschaft in der Schweiz nachhaltig gestärkt.
Wie verändert eine nachhaltige Wirtschaft unsere Zukunft?
Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft hätte tiefgreifende Auswirkungen:
Weniger Ressourcenverbrauch: Rohstoffe bleiben länger im Umlauf
Reduzierte Umweltbelastung: Weniger Abfall, weniger Emissionen
Neue Arbeitsplätze: In Reparatur, Recycling und nachhaltigem Design
Stabilere Wirtschaft: Weniger Abhängigkeit von knappen Rohstoffen
Vor allem aber würde sich unser Verhältnis zur Umwelt grundlegend verändern: weg vom kurzfristigen Verbrauch hin zu langfristiger Verantwortung.

Der Verein Getränkekarton-Recycling Schweiz und öbu teilen diese Überzeugung. Genau deshalb bauen wir unsere Zusammenarbeit aus. Der Schweizer Overshoot Day lässt sich nach hinten verschieben, wenn Wirtschaft, Politik und Gesellschaft an einem Strick ziehen. Wir freuen uns, diesen Weg gemeinsam zu gehen.

Über die Autorin
Chantal Jaun
Junior Projektleiterin Kommunikation und Monitoring
Während ihrer Lehre zur dipl. Schneiderin zeigte sich Chantal Jaun’s ausgeprägter Sinn für Design, welcher sie durch ein Studium im Designmanagement weiter schulte. Bei ihrem Engagement im Verein steht für sie der Mehrwert des Recyclings im Vordergrund: «Mir ist wichtig, dass Recycling im Alltag unkompliziert ist und einen echten Mehrwert für Umwelt und Gesellschaft bietet.»




