Wie Getränkekartons entstehen – und was in der Recyclinganlage …
Wie Getränkekartons entstehen – und was in der Recyclinganlage mit ihnen passiert
Getränkekartons sind als Milch- oder Saftverpackungen aus dem Alltag nicht wegzudenken. Doch wie entstehen Getränkekartons? Und wie finden sie nach dem Gebrauch wieder in den Kreislauf zurück? Um diese Fragen genauer zu beleuchten, durften wir beim Verpackungshersteller SIG sowie beim PolyAl-Recycler Palurec einen Blick hinter die Kulissen werfen.
Es ist laut und warm in den Produktionshallen von SIG in Linnich nahe Köln. Riesige Maschinen laufen im Dauerbetrieb mit beeindruckender Geschwindigkeit – hier entstehen Getränkekartons. Am Anfang stehen grosse Kartonrollen.

Auf den Anlagen werden sie mit weiteren Materialschichten präzise zusammengeführt und beschichtet: Beim Standardverbund kommt eine hauchdünne Lage aus Aluminium hinzu, die das Produkt vor Licht und Sauerstoff schützt; die Kunststoffbeschichtungen machen die Verpackung dicht.
Neben klassischen Getränkekartons mit Aluminiumschicht produziert SIG auch Varianten ohne Aluminiumschicht. Dabei werden durch den Einsatz von fortschrittlichen Technologien dünne Polymerbeschichtungen für die Barrierefunktion aufgetragen. Diese Innovation reduziert die Anzahl der Rohstoffe von drei auf zwei und hat so das Potenzial, das Recycling zu vereinfachen. Gleichermassen wird der CO2-Fussabdruck von aseptischen Kartonpackungen verringert1.
Wie das Design auf den Getränkekarton kommt
Anschliessend wird das gewünschte Kundendesign aufgebracht, dafür geht es in die Druckanlage. Neben einem Digitaldrucker für kleinere Auflagen steht hier auch die Tiefdruckmaschine für grosse Stückzahlen. Die schweren Druckzylinder mit den Druckprägungen werden von autonomen Fahrzeugen (AGVs) aus dem automatischen Lager gebracht und in die Maschine eingesetzt. Mit bis zu sechs Farben werden dann die Kundendesigns aufgebracht, die wir später im Regal wiedererkennen.

Nach dem Bedrucken werden die Kartonbahnen weiterverarbeitet. Sie werden zugeschnitten, perforiert und vorgefaltet. Schritt für Schritt entsteht so die Grundlage für die spätere Verpackung.
In einer automatischen Falt-/Klebemaschine wird schliesslich die typische Längsnaht eines jeden SIG-Getränkekartons geschlossen. Es entsteht ein sogenannter «Sleeve» – eine oben und unten noch offene Verpackung, die erst später beim Abfüller auf Füllmaschinen von SIG aufgeformt, unten verschlossen, dann befüllt und schliesslich oberhalb des Füllspiegels verschlossen wird.
Was passiert mit den leeren Getränkekartons?
Wer seine leeren Getränkekartons in einem Recycling-Bag wirft, stellt sich vielleicht die Frage: Wird nebst dem Papieranteil auch das übrige Material recycelt?
Nach dem Herauslösen der Kartonfasern im Papierwerk bleibt ein Kunststoff-Aluminium-Gemisch (PolyAl) zurück. Hier kommt beispielsweise der PolyAl-Recycler Palurec ins Spiel: Das Recyclingwerk ist darauf spezialisiert, dieses Material weiterzuverarbeiten.

Auch hier laufen grosse Anlagen im Hintergrund – es ist extrem laut. Das PolyAl wird Schritt für Schritt aufbereitet. Die verschiedenen Materialien laufen über Förderbänder durch verschiedene Anlagen, wo sie mit Wasser gereinigt, getrennt und zu sogenannten Rezyklaten verarbeitet werden – in rein mechanischen Verfahren. Ziel dabei ist es, alle Teile des Getränkekartons zurückzugewinnen und wieder nutzbar zu machen.
So entstehen «sekundäre» Wertstoffe, die wieder eingesetzt werden: Aluminium und Kunststoffe gelangen zurück in die Industrie und werden zu neuen Produkten verarbeitet. Wir finden sie zum Beispiel in Kanistern, Boxen oder sogar in Möbeln.
So finden die Rohmaterialien Karton, Aluminium und Polymere eines Getränkekartons zurück in den Kreislauf und werden als wichtige Rohstoffe für weitere Produkte genutzt.

Über die Autorin
Laura Waldmeier
Praktikantin
Laura Waldmeier kommt aus der Schweizer Textil- und Modebranche und bringt eine grosse Leidenschaft für Gestaltung mit. Ihr Interesse an Recycling und Kreislaufwirtschaft hat sie mit einer Weiterbildung im Nachhaltigkeitsbereich vertieft. Beim Verein GKR findet sie besonders die Schnittstellen zwischen Kommunikation, Politik und Kreislaufwirtschaft spannend.





