Crash bei der Zürichsee-Fähre
„Die Fähren-Aktien waren über Jahrzehnte das Must-have“, schreibt ein Insider diesem Medium. Vor zwanzig Jahren musste man 5 Aktien der Zürichsee-Fähre Horgen-Meilen AG besitzen, um am Generalversammlungs-Diner teilnehmen zu dürfen.
Der Aktionär schwärmt noch heute: „Dreigänger – meist Rinderfilet, gefolgt von einem unschlagbaren Käse- und Dessertbuffet.“
Kurs der Aktie in den guten alten Zeiten: über 10’000 Franken. Alles lief prima.
Heute kostet die Aktie 3’200 Franken. Allein 18 Prozent Wertverlust innert Jahresfrist. Dividenden gibt’s nur noch 80 Franken, früher waren es 100.
Seit zehn Jahren ist Martin Zemp CEO der Fähre. Der Unternehmenswert hat sich in seiner Zeit halbiert.
Seit 1932 gibt’s den Transport zwischen Horgen und Meilen. Man ist der einzige Anbieter im ganzen Seegebiet.
Das Geschäft ist simpel: Auto, Velo, Fussgänger auf die Fähre und dann über den See tuckern.
Trotzdem weist man nach über 90 Jahren Geschäftstätigkeit nur 2,1 Millionen Franken Umlaufvermögen auf. Zu wenig für Zemps Traum: Eine Elektrofähre.
Das wärs. Weg mit der Fähre „Schwan“ (Baujahr 1969), her mit einer E-Fähre, die vielleicht auch noch schön leuchtet in der Nacht.
Mit diesem Plan verärgert Zemp immer mehr Aktionäre. 10 Millionen Franken zusätzlich würde so eine Fähre gegenüber einem konventionellen, mit Diesel betriebenen Transportschiff kosten.
Das Geld hat Zemp nicht, die Zürichsee-Fähre müsste sich enorm verschulden.
Allein die Batterien würden zwischen 1,5 und 2 Millionen Franken kosten. Mehr als die Treibstoffe und der Energieaufwand aller fünf Fähren 2024 gekostet haben (1,43 Millionen).
Früher sei an den Generalversammlungen alles durchgewunken worden, berichtet ein langjähriger Aktionär. Gegenstimmen gab es nie.
Seit ein paar Jahren erhebt sich Widerstand bei den Aktionären. Gegen neue Verwaltungsräte, die Abnahme des Geschäftsberichtes, die Entlastung der Verwaltungsrats.
Zemp hält an der E-Fähre fest. Vielleicht hofft er auf einen Eintrag in die Firmenhistorie.
Im Herbst 2025 reichte der CEO die Ausschreibung für eine neue Trafostation ein. Keine E-Fähre ohne Trafostation. Das Schiff muss alle vier Seeüberquerungen neu aufgeladen werden.
Für den Aktionär macht das betriebswirtschaftlich keinen Sinn: Bei zwei 20 bis 30 Tonnen schweren Batterien könne die Fähre nur halb so viele Fahrzeuge transportieren wie Diesel-Fähren.
Eigentlich müsste dieses Jahr die umweltfreundliche Fähre zum ersten Mal zwischen Horgen und Meilen pendeln und den „Schwan“ ablösen.
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