Mehr Kritik als Lob – Calistrip Biox
Varroabehandlungen sollten so einfach wie möglich sein, damit alle Imker sie richtig anwenden können. Schliesslich ist das der wichtigste Faktor für gesunde Bienenvölker und eine gute Überwinterung.
Nichts ist so einfach wie Streifen, und so waren Oxalsaurestreifen relativ hoch auf der Wunschliste vieler Imker. Vor allem für die Sommerbehandlung, ohne die Königin zu käfigen oder die gesamte Brut zu entnehmen. Streifen rein, nach einigen Wochen wiederkommen und gut ist. Jetzt sind die ersten (legalen) Oxalsäurestreifen in Deutschland erhältlich: Calistrip Biox vom spanischen Hersteller Calier.
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„So einfach wie möglich“ zeigt aber vielleicht schon, dass es nicht nur darauf ankommt. Das Allerwichtigste ist die Wirksamkeit gegen die Milben und die Verträglichkeit für die Völker. Damit die gut sind, ist neben dem Wirkstoff auch die Art, wie dieser verabreicht wird, wichtig. Also Streifen, Lösung oder Plättchen, die man auf die Oberträger legt. Je nachdem, wie ein Wirkstoff „arbeitet,“ sind nicht alle Formulierungen (das Fachwort dafür) geeignet.
Bei Oxalsäure bin ich in Sachen Streifen skeptisch. Sie wirkt zum einen über Kontakt, das ist nicht das Problem. Aber was die Varroamilben tötet, ist die Säure – im chemischen Sinne. Also ein niedriger pH-Wert in einem Bereich, der zwar wirksam gegen die Milben ist, aber die Bienen nicht schadigt. Das wird durch die Konzentration der Säure bestimmt – also das, was Sie als 3,5% Oxalsäure kennen. Der andere wichtige Faktor: Säuren müssen flüssig sein, in Wasser gelöst, damit sie im chemischen Sinne „sauer“ sind. Und da fangen die Probleme mit den Streifen an.
Dauerhaft wirksam?
Damit Oxalsäurestreifen wirken, müssen sie über die gesamte Behandlungsdauer genug flüssigen Wirkstoff in der richtigen Konzentration abgeben. Nur dann haben die Bienen Kontakt mit der Saure und konnen sie im Volk verteilen, sodass die Varroamilben abgetötet werden. Das ist eine ziemliche Herausforderung in Sachen Formulierung: Die Begleitstoffe müssen den Wirkstoff binden und nach und nach abgeben. Das Glycerol in den Streifen hilft dabei, dass sie feucht bleiben – dieser Stoff bindet Wasser. Daten über die Wirkstoffabgabe über die Zeit findet man aktuell nicht.
Nun bin ich keine Pharmakologin, meine Skepsis wird aber gefüttert von zwei weiteren Punkten. Zum einen sind die Stimmen aus Spanien, wo das Produkt schon länger verfügbar ist, eher negativ. Die Wirksamkeit wird bemängelt, die Behandlung funktioniert nicht so gut wie erhofft. Nun hort man oft eher Kritik als Lob. Aber der zweite Punkt: Im März dieses Jahres war ich auf eine Veranstaltung des Herstellers in Italien eingeladen, bei der das Produkt vorgestellt wurde. Dabei waren italienische Wissenschaftler, Bienen-Tierärzte und Verbandsvertreter für die Imkerschaft.
Fehlende Vorteile
Zwar wurden ein paar Daten gezeigt. Aber kritische und fundierte Nachfragen der Imker wurden nicht wirklich beantwortet. Zum Beispiel, wo der Vorteil der Streifen läge, wenn man sie – wie alle anderen Oxalsäure-Anwendungen auch – nur in brutfreien Völkern anwenden dürfe. Oxalsäure im Sommer anwenden zu können, ohne für Brutfreiheit sorgen zu müssen, ist schliesslich der Grund für Streifen.
Dazu kam, dass in Italien das Produkt nur zusammen mit Apitraz, dem Amitraz-Streifen von Calier, verkauft wurde. Für zehn Packungen Apitraz gab es eine Packung Calistrip Biox. Grund dafür seien Produktionslücken. Das hat bei mir ein „Geschmäckle“ hinterlassen: Wieso auf Märkte drängen, die ich nicht richtig beliefern kann? Interessant ist das Produkt ja vor allem für Bio-Imker, die mit Apitraz nichts anfangen können.
Das mag ebenfalls nur eine ungeschickte Marketing-Strategie gewesen sein. Es braucht vor allem Anwendungsdaten, gut dokumentierte Studien über die Wirksamkeit, um sich ein Bild von dem Produkt zu machen. Also, wenn Sie das Calistrip Biox ausprobieren möchten, bitte nicht bei allen Völkern auf einmal. Gucken Sie genau hin. Weil es nicht nur um eine einfache Behandlung geht. Sondern vor allem um eine wirksame.
Quelle: Bienen & Natur, Ausgabe 11/2025 von Dr. Claudia Garrido
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