Die Fähre Horgen–Meilen und ihr digitales Abenteuer
Es war einmal eine Fähre, die seit Jahrzehnten Menschen und Autos zuverlässig über den Zürichsee brachte. Man fuhr hin, zahlte sein Ticket, stieg ein – fertig. Spontaneität war Teil des Charmes.
Doch dann kam die grosse Digitalisierung. Klingt nach Fortschritt – wäre da nicht die Realität. Statt Einfachheit gibt es heute vier Schritte, mehrere Klicks, Ladezeiten und manchmal auch Fehlermeldungen. Wer nur schnell rüberwollte, fühlte sich plötzlich wie in einem IT-Selbstversuch.
Die einen schimpfen über die verlorene Spontaneität, andere sehen im System ein Paradebeispiel für Überdigitalisierung. Wo man früher einfach aufs Schiff spazierte, braucht es heute fast die Planung eines Alpenübergangs. Und während viele den Kopf schütteln, bleibt ein Thema besonders heiss: die Bezahlung. Ohne Bargeld geht nichts mehr – für manche ein Grund, der Fähre ganz den Rücken zu kehren.
Finanziell sieht es ebenfalls durchzogen aus: Die Preise für Autos sind stark gestiegen, die Dividende für Aktionäre hingegen geschrumpft. Das sorgt für zusätzlichen Gesprächsstoff – und für Nostalgie nach den „guten alten Zeiten“, als der Kurs der Fährgesellschaft doppelt so hoch stand.
Und mitten in dieser Diskussion träumen einige schon laut von einer ganz anderen Lösung: Tunnel oder Brücke, um die Ufer zu verbinden – ohne Tickets, Apps und digitale Hürden. Ob es je so weit kommt? Ungewiss.
Bis dahin bleibt die Fähre Horgen–Meilen ein Stück lebendige Regionalgeschichte – und zugleich ein Beispiel dafür, wie schwierig die Balance zwischen Tradition und Digitalisierung sein kann. Wer sich auf die Reise wagt, sollte neben dem Auto vielleicht auch etwas Geduld und Humor einpacken.







