Vorsicht bei Notfütterung
Fällt das Frühjahr kalt und nass Haus und wartet man ungeduldig auf das Einsetzen der Frühtracht, kommen manchmal Zweifel auf, ob das Futter in den Bienenvölkern ausreicht. Also werden Kontrollgänge zum Bienenstand unternommen und die Kästen angehoben. Eventuell erlaubt das Wetter sogar einen vorsichtigen Blick ins Volk. Erscheint ein Kasten ungewöhnlich leicht oder sieht man gut entwickelte Völker bereits an der letzten Futterwabe knabbern, muss man handeln! Doch was kann man tun?
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Besser Waben statt Sirup
Wer weitere Völker besitzt, die den Winter über weniger Futter verbraucht haben, kann deren Futterwaben verteilen. Sollte es aber keine Reserven mehr geben, greifen einige vielleicht zum Futtersirup, der noch vom Herbst übriggeblieben ist. Dieselbe Situation kann auch nach der Ernte des Frühtrachthonigs eintreten, wenn man den Völkern nur wenige Vorräte belassen hat und eine Trachtlücke nach der Rapsblüte die Bienen hungern lässt. Je schärfer das Brutnest durch Einengen vom Honig getrennt wird, desto schneller kann Futtermangel entstehen, wenn der Honig umfänglich abgeerntet wird.
Erhalten die Völker in trachtlosen Zeiten Bienenfutter – sei es Zuckerwasser, Sirup oder Futterteig -, verstauen die Bienen das Futter zunächst überwiegend in den leeren Zellen rund um das Brutnest. Setzt anschließend Tracht ein, lagern sie den eingetragenen Nektar oder Honigtau kurzzeitig ebenfalls im Brutraum-Bereich ein, bevor sie ihn in die Honigwaben umtragen. Im Zuge dessen – oder wenn sich das Brutnest ausdehnt – kann das Bienenfutter, das rund um die Brut gelagert wurde, in den Honigraum gelangen. Deshalb könnte später im geernteten Honig Futter enthalten sein.
Nun ist aufgrund der verbesserten Untersuchungsmethoden in den Honiglaboren die Wahrscheinlichkeit deutlich gestiegen, bereits geringe Verfälschungen im Honig nachzuweisen. Entsprechend fällt auch Futtersirup im Honig auf. Folglich ist es umso wichtiger, einen Futtereintrag in den Honig zu vermeiden. Um zu unter- suchen, ob eventuelle Reste aus einer Notfütterung in den Honig gelangen und mit einer vergleichsweise neuen Untersuchungsmethode im Honig nachgewiesen werden können, haben wir Bienenvölkern unterschiedliche Mengen und Typen von Bienenfutter verabreicht.
Versuch vor Trachtbeginn
Wir haben am Institut für Bienenkunde und Imkerei in Veitshöchheim etwa gleich starke Bienenvölker einzargig auf Zander überwintert und im Frühjahr auf einem Brutraum weitergeführt. Rund drei Wochen vor Trachtbeginn haben wir die Versuchsvölker gefüttert. Vorher wurden ihnen noch die seitlichen vollen Futterwaben entnommen und durch leere ausgebaute Waben ersetzt. Mit Beginn der Frühjahrstracht haben wir dann einen ersten Honigraum über Absperrgitter aufgesetzt, dem später ein zweiter folgte.
Für die Fütterung wurden vier unterschiedliche Futtersorten verwendet: Sirup auf Rübenzuckerbasis, Sirup auf Stärkebasis, Futterteig auf Rübenzuckerbasis sowie Futterteig auf Rübenzuckerbasis zusammen mit Stärkesirup. Von den Futtersorten wurde jeweils ein oder fünf Kilogramm verfüttert, wobei stets zwei Völker die gleiche Futtermenge und -sorte erhielten.
Als Kontrolle dienten Völker, die vor Trachtbeginn nicht gefüttert wurden. Der einen Hälfte der Kontrollvölker ersetzten wir die Randwaben mit dem verbliebenen Winterfutter unmittelbar vor dem Aufsetzen der Honigräume durch Leerwaben. Bei der anderen Hälfte verblieben die Waben in den Völkern. Der erste Honigraum war in der Mitte mit zwei ausgebauten, markierten Waben bestückt, der Rest wurde mit Rähmchen mit Mittelwänden aufgefüllt. Nach der Frühjahrstracht entnahmen wir im Zuge der regulären Honigernte die markierten Honigwaben und schleuderten diese separat. Den so gewonnenen Honig liessen wir anschliessend mittels hochauflösender Massenspektrometrie (HRMS) auf sogenannte Markersubstanzen untersuchen, die bei der Herstellung von Sirupen entstehen. Die Untersuchungen wurden durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus sowie das Labor FoodQS finanziert.
Die Ergebnisse zeigten eindrucksvoll, dass eine Fütterung vor der Tracht zu einem nachweisbaren Eintrag der Futtermittel in den Honig führt. Die Markersubstanzen der verabreichten Futtermittel liessen sich in allen gezogenen Honigproben analytisch nachweisen. Das gilt auch für den Futterteig, von dem es oft heisst, er würde direkt verbraucht werden.
Bei den Gaben von fünf Kilogramm Flüssigfutter war tendenziell eine stärkere Kontamination des Honigs zu beobachten als bei einem Kilogramm Flüssigfutter. Allerdings schwankten die Werte von Volk zu Volk, was durch einen unter- schiedlich hohen Futterverbrauch der Völker zu erklären ist. Dadurch bleibt bis zum Einsetzen der Tracht mehr oder weniger Futter übrig, das dann umgetragen werden kann. Zwar fiel die Kontamination bei der Fütterung von Futterteig im Vergleich zur Fütterung mit Flüssigfutter eher geringer aus, generell zeigte sich jedoch, dass selbst kleine Futtergaben im Frühjahr vor der Tracht eine nachweisbare Kontamination des Honigs verursachten.
Trotz Wabenentnahme
Beunruhigend war allerdings die Erkenntnis, dass im Frühjahr bei zwei von sechs Kontrollvölkern selbst ohne vorherige Notfütterung entsprechende Ruckstande im Honig gefunden wurden. Dies war auf das übrig gebliebene Winterfutter aus dem vergangenen Herbst zurückzuführen. Offenbar sind kleine, aber dennoch messbare Mengen von Futterrückständen nicht immer vermeidbar. Immerhin hatten wir bei diesen Völkern die Randwaben gemäss guter imkerlicher Praxis vor dem Aufsetzen der Honigräume entfernt. Wie bereits erwähnt, kann die eingesetzte Methode Futterreste bereits in sehr geringen Mengen nachweisen. Dies entspricht im Grunde der Forderung aus der Imkerschaft, Honigbetrug so gut wie möglich zu detektieren und keine Verfälschungen zu tolerieren. Nun laufen aber Imkerinnen und Imker Gefahr, dass ihre Honige durch Futterreste als «verfälscht» eingestuft werden. Bislang gibt es für die Methode keine offiziellen Grenzwerte, die eine absichtliche Verfälschung von unbeabsichtigten Futterresten unterscheiden. Dies muss bei der Weiterentwicklung der Methode berücksichtigt werden.
Was lässt sich empfehlen?
Die Gabe von Bienenfutter vor einer Tracht kann den Honig verfälschen. Diese Erkenntnis ist im Grunde nicht neu, aber nun kann eine solche Verfälschung leicht nachgewiesen werden und der Honig dadurch seine Verkehrsfähigkeit verlieren. Folglich lautet die klare Empfehlung: Bei Futtermangel in der Zeit der Durchlenzung möglichst Futterwaben von anderen Völkern nutzen, die noch reichlich Futter haben! Sind keine anderen Futterwaben vorrätig, ist die nächstbeste Variante, eigenen Honig zu verfüttern. Dann muss es aber unbedingt eigener Honig sein, um das Risiko einer Infektion der Volker mit Faulbrut-Sporen oder anderen Erregern aus fremdem Honig zu minimieren. In der Regel reichen kurz vor Einsetzen der Frühjahrstracht zwei bis drei Kilogramm für ein Volk. Auch ohne Notfütterung sollten, der guten fachlichen Praxis folgend, von der Überwinterung übrig gebliebene Futterwaben generell aus den Völkern entnommen werden, sobald ein Honigraum aufgesetzt wird und verlässlicher Nektareintrag erwartet werden kann. Schließlich muss man in Betracht ziehen, dass die Bienen auch Teile des restlichen Winterfutters in den Honigraum umtragen.
Quelle: Deutsches Bienenjournal 4/2025
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