Oberrieden zwischen Aufbruch, Alltagsnähe und Dorfleben
Der Oberriedner Brief 205 zeigt Oberrieden als Gemeinde in einer Phase des Übergangs. Nach den Gesamterneuerungswahlen richtet sich der Blick auf die neue Amtsdauer 2026 bis 2030, zugleich prägen soziale Fragen, Bildungsthemen und ein auffallend breites Vereins- und Kulturleben diese Ausgabe. Die Publikation verbindet amtliche Informationen mit Berichten aus dem Gemeindeleben und vermittelt so ein geschlossenes Bild davon, welche Themen Oberrieden derzeit beschäftigen.
Im politischen Teil steht zunächst die Zeit nach den Wahlen im Zentrum. Der Brief erinnert daran, dass mit den Wahlen vom 8. März 2026 die Grundlage für die neue Legislatur gelegt wurde und die Amtsperiode am 1. Juli beginnt. Dazu kommt die Ankündigung, dass der Gemeinderat im August mehrere Kommissionen neu besetzt, darunter die Bau-, Grundsteuer-, Werk- und Liegenschaftenkommission. Hervorgehoben wird dabei, dass interessierte Einwohnerinnen und Einwohner eingeladen sind, sich für eine Mitarbeit zu bewerben. Das ist eine klare Aufforderung zur Beteiligung am politischen und administrativen Leben der Gemeinde.
Bereits im Editorial wird der Ton der Ausgabe gesetzt. Gemeindepräsident Reto Wildeisen verbindet den Frühlingsbeginn mit einem Appell zur Bewegung und zum Mitmachen. Im Vordergrund steht das «Coop Gemeinde Duell 2026», an dem Oberrieden teilnimmt. Die Aktion wird als gemeinschaftliches Projekt dargestellt, bei dem nicht sportliche Höchstleistungen zählen, sondern möglichst viele Teilnehmende und gesammelte Bewegungsminuten für die Gemeinde. Auch das ist ein wiederkehrendes Motiv dieses Hefts: Gemeinschaft entsteht durch Beteiligung.
Ein zentrales gesellschaftliches Thema der Ausgabe ist die Frage nach der Altersfreundlichkeit Oberriedens. Die Gemeinde führt dazu eine Umfrage durch und lädt die Bevölkerung ein, Erfahrungen, Bedürfnisse und Ideen einzubringen. Aus den Ergebnissen soll eine Altersstrategie entstehen. Angekündigt wird zudem ein öffentlicher Mitwirkungsanlass im September 2026, an dem die Resultate vorgestellt und weiterdiskutiert werden sollen. Damit macht der Oberriedner Brief deutlich, dass die Alterspolitik in der Gemeinde nicht isoliert betrachtet wird, sondern als strategische Zukunftsaufgabe.
Auch der Bereich Bildung ist in dieser Ausgabe prominent vertreten. Einerseits informiert die Schulpflege über den Wechsel an der Spitze der Abteilung Bildung. Andererseits wird der Stand des Mitwirkungsverfahrens zur Schulwegsicherheit dargestellt. Aus diesem Prozess sind mehrere Projektteams hervorgegangen, die nun an konkreten Teilprojekten weiterarbeiten. Auffällig ist, dass Verwaltung, Schule, Behörden sowie Eltern und Erziehungsberechtigte gemeinsam eingebunden werden. Das Thema wird damit nicht nur als Verwaltungsaufgabe behandelt, sondern als gemeinsames Anliegen der Gemeinde.
Daneben greift die Ausgabe zahlreiche alltagsnahe Themen auf. Dazu gehören Hinweise auf den Luftibus, der in Oberrieden einen kostenlosen Lungencheck anbietet, ebenso wie Berichte aus der Bibliothek. Dort wird über einen kostenlosen Bücherwagen und die neue Reihe «Klassiker des Monats» informiert. Solche Beiträge wirken auf den ersten Blick kleiner, sind für ein Gemeindeblatt aber zentral: Sie machen sichtbar, wie stark lokale Öffentlichkeit vom alltäglichen Angebot lebt.
Dasselbe gilt für die Erwachsenenbildung. Die Gemeinde publiziert ihr Angebot an Sprachkursen für Erwachsene in Deutsch, Schweizerdeutsch, Englisch, Italienisch und Spanisch. Die Kurse werden in kleinen Gruppen durchgeführt und sind ein Beispiel dafür, wie Gemeindeangebote auch der sozialen Integration und dem lebenslangen Lernen dienen.
Breiten Raum nehmen im Oberriedner Brief die Kirchgemeinden ein. Die reformierte und die katholische Kirche informieren über Gottesdienste, ökumenische Anlässe, Bibelgespräche, Konzerte, Wanderungen und weitere Termine bis in den Sommer hinein. Gerade diese Dichte an kirchlichen Veranstaltungen zeigt, dass die Kirchen im lokalen Leben nach wie vor eine sichtbare Rolle spielen – nicht nur religiös, sondern auch sozial und kulturell.
Besonders lebendig wirkt die Ausgabe im Teil über Vereine und Kultur. Der Musikverein Oberrieden berichtet über seine Teilnahme am Eidgenössischen Musikfest in Biel. Der erste Poetry Slam in Oberrieden wird als voller Erfolg geschildert. Hinzu kommen Hinweise auf den Gewerbe- und Kulturtag, das 50-Jahr-Jubiläum des Kulturkreises Oberrieden, ein Freilichttheater, Konzerte sowie das 40. Openair Oberrieden. Diese Beiträge machen deutlich, dass das Dorfleben nicht nur verwaltet, sondern aktiv gestaltet wird – von Vereinen, Kulturschaffenden und Freiwilligen.
Einen besonders praktischen Charakter hat schliesslich der Veranstaltungskalender, der Termine von April bis Juni 2026 bündelt. Dort finden sich Entsorgungstage ebenso wie Konzerte, Gemeindeanlässe, Ausflüge, Gottesdienste und die Gemeindeversammlung vom 4. Juni. Der Kalender ist damit mehr als ein Serviceblock: Er dokumentiert die Taktung des öffentlichen Lebens in Oberrieden.
Insgesamt präsentiert der Oberriedner Brief 205 eine Gemeinde, die mehrere Ebenen gleichzeitig bearbeitet: die politische Neuaufstellung nach den Wahlen, soziale Zukunftsfragen wie das Älterwerden, konkrete Herausforderungen im Bildungsbereich und ein auffallend aktives Vereins- und Kulturleben. Die Ausgabe wirkt dadurch sachlich, breit abgestützt und nahe am Alltag der Bevölkerung. Sie zeigt Oberrieden als Gemeinde, in der formelle Gemeindepolitik und gelebtes Dorfleben eng miteinander verbunden sind.
Quelle: Oberriedner Brief







