Horgen stimmt über Millionen-Kredit für Fernwärme ab
Am 28. September kommt in Horgen ein Grossprojekt vors Volk: Die Stimmberechtigten entscheiden über einen Kredit von 72,7 Millionen Franken für die umfassende Sanierung des Fernwärmenetzes.
40 Jahre altes Netz am Limit
Das Horgner Fernwärmenetz besteht seit rund vier Jahrzehnten und versorgt heute rund 2600 Haushalte – etwa ein Drittel der Bevölkerung. Die Wärme stammt aus der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Horgen.
Doch die Infrastruktur ist in einem kritischen Zustand: Laut Gemeinde haben rund 60 Prozent der Leitungen ihr technisches Lebensende erreicht. Immer häufiger kommt es zu Lecks und Ausfällen – im November 2024 blieben Haushalte mitten im Wintereinbruch stundenlang ohne Heizung. Drohnenaufnahmen mit Wärmebildkameras belegten weitere Schwachstellen.
Investition in Versorgungssicherheit
Der geplante Kredit soll die Sanierung über sieben Jahre sichern. Allein 45,8 Millionen Franken sind für den Ersatz und Ausbau der Leitungen vorgesehen, darunter auch eine neue Ringschlussleitung. Diese entlastet nicht nur das bestehende Netz, sondern ermöglicht den Anschluss zusätzlicher Haushalte und erhöht die Versorgungssicherheit.
Bereichsleiter Werke Jürg Müller erklärt: «Die Investitionen werden über die künftigen Fernwärmelieferungen refinanziert und sind vollständig gebührenfinanziert.»
Steigende Kosten für Kundinnen und Kunden
Für die Horgner Bevölkerung bedeutet die Sanierung jedoch höhere Fernwärmepreise. Geplant ist eine durchschnittliche Erhöhung von 19 Prozent, bei einzelnen Haushalten gar bis zu 30 Prozent. Müller betont allerdings, dass die Preise trotz Anpassung noch immer unter jenen vergleichbarer Anbieter in der Region liegen.
Was bei einem Nein geschieht
Lehnen die Stimmberechtigten den Kredit ab, bleibt die Sanierung trotzdem unumgänglich. In diesem Fall müssten kleinere Etappen einzeln finanziert werden – eine Variante, die laut Gemeinderat am Ende teurer und aufwendiger wäre und Unsicherheiten für die Versorgung birgt.
Neues Reglement als Grundlage
Bereits am 11. September stimmt die Gemeindeversammlung über ein revidiertes Fernwärmereglement ab. Es regelt unter anderem die Mindestvertragsdauer von 20 Jahren, neue Kündigungsfristen sowie ein angepasstes Preismodell mit Leistungspreis und Netzanschlussbeitrag. Ohne dieses Reglement müsste auch das Sanierungsprojekt nochmals überarbeitet werden.
Quelle: Tages-Anzeiger






