Ruderwoche in Holland
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Die Rudertouren brachten uns durch enge Grachten (Kanäle) an vielen schönen, schmucken Häuschen und Wohnbooten vorbei. Die Niederländer verstehen es, aus ihren Häusern herzige, kleine Bijous oder Villen der besonderen Art, immer mit direkten Wasseranstoss zu bauen. Bootshaus und Autogarage unter dem selben Dach.
Friesland ist bekannt für seine ländliche Landschaft, viele kleine malerische Städtchen, kaum Hochhäuser und kilometerlange Kanäle mit Schilf und Seerosen am Ufer. Seerosen und Schilf entpuppten sich aber als Tempokiller. So galt es, in der Mitte der Kanäle zu rudern, da und dort Ruder lang zu machen oder einfach mal zu schweben. Wie ist es möglich, kilometerweit durch unberührte wunderschöne Dschungellandschaften zu rudern, und das Gefühl zu haben, wir befinden uns «in the middle of nowhere»? Das ist Holland pur.
Nicht nur Ruder und Schöpfer gehören in Holland zu den Utensilien, die bei jeder Ruderausfahrt dringend mit aufs Boot müssen, sondern jeweils auch zwei Paddels, zwei Peekhaken und je zwei Fenner. Die Kanäle waren so eng, dass wir kaum mit Ruder lang Platz hatten. Doch gibt es nichts Einfacheres, als im Ruderboot die Ruder loszulassen, sich auf dem Rollsitz um 180 Grad zu drehen und nur mit den mitgeführten Paddels als Kanuten vorwärtszukommen. Für einmal sah der Steuermann nur die Rücken seiner Mann/Frauschaft. Claudia, immer für einen Schabernack bereit, versuchte, sich mit dem Peekhaken beim vorderen Boot einzuhängen und so ihre Mannschaft vom vorderen Boot ziehen zu lassen. Es ist unklar, was strenger war, das Lachen zu verkneifen oder als Vordermannschaft Claudias Team zu ziehen … .
Holland ist bekannt für eher windiges, immer mal wieder nasses Wetter. Aber wie sagt man so schön: «Wenn Engel reisen, lacht die Sonne». Denn ja, wir konnten wunderbare sonnige Tage und sehr heisse Temperaturen in dieser Woche geniessen. Es zeigte sich einmal mehr, was für ein tapferes, robustes Rudervolk wir SCRler sind. Der Wind half uns etwas, die bis zu 35 Grad erträglicher zu machen.
Dank Dieter, unserem Driver, hatten wir immer genügend Getränke an Bord. WC-Pausen brauchte es kaum, der Schweiss tropfte uns literweise aus den Poren. Wir kühlten uns mit nassen Stirnmützen und kühlenden Tüchern. Manuela zog es vor, sich kurz mit einem unangemeldeten Manöver «Frau über Bord» ein wenig zu «erfrischen».
Oliver konnte es nicht lassen, bereits am ersten Tag eine Wasserschlacht anzuzetteln. Da die Grösse der Wasserschöpfer unterschiedlich war, waren die Bedingungen dieser Schlacht ungleich verteilt. Obwohl alle sehr froh waren über die unangemeldete Abkühlung, schworen sich die Gegner Revanche. Ausgerüstet mit drei Wasserpistolen und einem Codewort und den am Vorabend gekaperten übergrossen Wasserschöpfern, wurde Olivers Boot am Folgetag mit geschickter Schlachttaktikt überfallen. Leider kamen die Wasserpistolen schnell an die Grenze ihrer Kapazität (Sprühweite 50 cm), so dass Oliver nur mit seinen Händen die Schlacht ein weiteres Mal für sich entscheiden konnte.
Wir ruderten in Wherrys. Das sind C-Gig-Boote, jedoch um einiges breiter als unsere C-Gigs und unglaublich schwer. Es rudern jeweils zwei Personen und steuern können diese Boote ein bzw. zwei Steuerleute. Das Tempo war die ganze Woche gemächlich, gemütlich und genussvoll. Die Woche sollte für alle entschleunigend und erholsam sein.
Doch gewissen Teilnehmern juckte es in den Händen, sobald ein Boot auf gleicher Höhe wie ihres ruderte. Wer schafft es vor der nächsten engen Passage, den Bugball vorne zu haben? Was anfänglich wie leichte Beschleunigung ausgesehen hatte, entpuppte sich dann und wann zu einem harten Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem nicht nur kräftige Ruderschläge von Vorteil waren, sondern auch eine ausgeklügelte Renntaktik und Steuerkünste. Was liegt näher, den Gegner langsam, aber sicher ins Schilf am Kanalrand abzudrängen.
In der Wochenmitte wechselten wir den Rollsitz mit dem Fietssattel. Alle mit einem «Biobike» ausgerüstet, erkundeten wir die Umgebung. In Holland müssen sich Velo und Autofahrer die Strasse nicht teilen, denn eigens dafür gebaute Fietspaden machen hier jede Fietstocht zu einem schönen Erlebnis.
Wer weiss was Fierljeppen ist? Es ist DER friesische Sport. Dieser wird weltweit NUR in Friesland ausgeführt. Dabei wird mit einem Stab über einen Wassergraben gesprungen. Wer es nicht schafft, mit Anlauf an die Stange zu springen, möglichst weit hochzuklettern und sich mit optimaler Verlagerung der Schwerkraft auf der anderen Seite noch von der Stange abzustossen, landet im Wasser. Der Weltrekord liegt bei einer Weite von 22,21 m. Wir hatten die Gelegenheit, an einem Abend einen Athleten zu verfolgen, der diesen mit 22,11 m nur knapp verpasst hat.
Rudern wir zu Hause auf dem eigenen Gewässer, sind uns all die Distanzen allgemein bekannt und wir können unsere Kräfte gut einteilen. Auf einer Ruderwandertour ist die Distanz am Morgen jeweils nur in etwa bekannt. Lassen die Kräfte und die Ausdauer nach, so freut sich jeder, wenn von Detlef die Ansage kommt, dass es nur noch 100 Meter bis zum Ziel sind, also sozusagen gleich um die Ecke. Doch merkten wir sehr bald, dass die detlefschen Meilen unterschiedlich lang sind. Da können aus 100 Metern gut 3 Kilometer werden.
Kulinarisch haben wir uns querbeet verköstigt. Und immer haben wir fein gegessen. Doch für uns war unklar, wieso es immer ungefragt Pommes Frites als Beilage gab, ob man will oder nicht. So lag es auf der Hand, dass gegen Ende der Woche (nicht nur) Danielas innigster Wunsch war, nur noch ein Menu zu wählen, wo es keine Pommes dazugibt. Was liegt da näher, als auf einem Pannekoeken-Schiff Pfannkuchen zu essen (Durchmesser 35 cm).
Detlef hat uns wunderschöne Touren zusammengestellt, die schöner, spannender und abwechslungsreicher nicht hätten sein können. Er hat uns einmalige, spezielle Hotels gesucht. Wir haben in einem umgebauten Gefängnis übernachtet und in Hotels mit traumhafter Aussicht auf Häfen oder kleine Dörfer geschlafen. Einige Zimmer hatten Aircondition, während wir andere Male das Gefühl nicht ganz loswurden, eine Sauna gebucht zu haben. Da in Leeuwarden für die letzte Nacht kein Hotel für die ganze Truppe zu finden war, übernachteten wir auf einem Schiff, das früher als Frachter unterwegs war. Hätte es in dieser letzten Nacht nicht wie aus Kübeln geregnet, so bin ich mir sicher, hätten wir uns alle auf Deck in einem Massenlager wiedergefunden.
Dieter, Detlefs Kumpane, verstand es, uns beim Boote wassern kräftig zu unterstützen, Proviant zu besorgen und am letzten Tag, als uns ein Steuermann fehlte, souverän einen der Wherrys fast 20 km alleine nach Leeuwarden zurückzurudern.
Wir durften 7 Tage bestes Wetter bei top Ruderbedingungen geniessen, Sonne pur. Nur bei den allerletzten Ruderschlägen duschte uns der Himmel noch leicht während fünf Minuten. Diese Abkühlung genossen wir alle.
Was war das für eine Woche! Die Sonne, die Kameradschaft, der Humor und die Landschaft konnten in keiner Weise übertroffen werden.
Diese Reise war für mich etwas vom Schönsten, das ich je erleben durfte.
Zurück bleiben viel schöne Erinnerungen, Dankbarkeit, Blasen an den Händen und eine grosse Lust auf mehr Ruderabenteuer.
Karin Weiss
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