„Demokratie lernen – aber wie?“ 16. Bildungskonferenz Züric …
Rund 170 Lehrpersonen, Schulleiter*innen und Bildungsinteressierte aus Politik und Wirtschaft trafen sich am 10. März 2026 im Gottlieb Duttweiler Institut in Rüschlikon zur 16. Bildungskonferenz Zürich Park Side. Im Zentrum stand die Frage, wie junge Menschen heute dazu befähigt werden können, sich informiert, kritisch und verantwortungsvoll an demokratischen Prozessen zu beteiligen.
Eine Umfrage unter den Teilnehmenden zeigte ein differenziertes Bild. Viele sehen bei Jugendlichen vor allem zwei Hindernisse für politisches Engagement: die Komplexität politischer Themen und das Gefühl fehlender Wirksamkeit. Desinteresse wird dagegen deutlich seltener genannt. Doch stimmt dieses Bild? Genau dieser Frage gingen die Referierenden der Konferenz aus unterschiedlichen Perspektiven nach.
Prof. Dr. Daniel Kübler vom Zentrum für Demokratie Aarau ordnete die Diskussion zunächst in einen globalen Kontext ein. Weltweit sei das Niveau demokratischer Systeme so tief wie seit Jahrzehnten nicht mehr. In der Schweiz hingegen sei die Demokratie stabil und biete vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten. Entscheidend für die politische Beteiligung sei vor allem das Interesse. „Für die Beteiligung junger Menschen ist es zentral, dieses Interesse überhaupt zu wecken“, betonte Kübler.
Politische Bildung an Schulen zwischen Neutralität und Haltung
Ein Podium mit Zora Arbenz, Gewinnerin von «Jugend debattiert 2025», und Finalist Nelio di Biase griff die Frage der politischen Neutralität an Schulen auf. Lehrpersonen müssten parteipolitisch neutral bleiben, gleichzeitig aber Werte vermitteln und Diskussionen ermöglichen.
Auch Dr. Beat Schwendimann (Leiter Pädagogik LCH), Yasmine Bourgeois (Schulleiterin/ Gemeinderätin Stadt Zürich) und Martin Pryde (Präsident VSG/ Geschichtslehrer) betonten die zentrale Rolle der Schule. Sie erreicht alle Kinder und Jugendlichen und bietet damit einen wichtigen Raum, demokratische Kompetenzen zu fördern. Orientierung bietet dabei der sogenannte Beutelsbacher Konsens, der festhält, dass Schüler*innen nicht indoktriniert werden dürfen und kontroverse Themen auch kontrovers erscheinen sollen.
Demokratie praktisch lernen
Praxisbeispiele zeigten, wie demokratische Kompetenzen konkret vermittelt werden können. Prof. Dr. h.c. Rolf Gollob von der PH Zürich betonte, dass politische Bildung mehr ist als Wissen über Institutionen. Schüler*innen sollten lernen, politische Situationen zu analysieren und unterschiedliche Perspektiven zu verstehen.
Dr. Patrik Zamora zeigte, wie spielerische Lernformen wie Gamification politische Prozesse erlebbar machen können. Durch Simulationen werden komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge verständlicher und Motivation sowie Selbstwirksamkeit gestärkt.
Einen weiteren Zugang präsentierten Lana Zickgraf (Sinfonieorchester Basel/ Menuhin Festival Gstaadund) und Johanna Ludwig (Hochschule Luzern) mit dem Ansatz der Community Music. Gemeinsames Musizieren fördert Zuhören, Zusammenarbeit und gegenseitigen Respekt. Alles zentrale Kompetenzen auch für demokratische Prozesse.
Medienkompetenz als Voraussetzung für Demokratie
Mehrere Referate widmeten sich der Rolle der Medien. Melanie Kömle vom Netzwerk Faktencheck von SRF zeigte, wie schwierig es geworden ist, Falschinformationen zu erkennen. Gerade bei aktuellen Ereignissen verbreiten sich manipulierte oder aus dem Zusammenhang gerissene Bilder und Videos rasch über soziale Medien.
Dr. Sarah Genner betonte, dass Medienkompetenz eine zentrale Voraussetzung für demokratische Teilhabe ist. Trotz der grossen Informationsfülle seien junge Menschen heute nicht automatisch besser informiert als früher. „Medien- und Demokratiebildung sind letztlich ein Aufklärungsprojekt“, sagte Genner.
Zum Abschluss dankte der Geschäftsführer der Standortförderung Zimmerberg-Sihltal Dr. Stefan Lüthi allen Referierenden, Teilnehmenden und Mitwirkenden der Konferenz. Die Diskussionen machten deutlich: Politische Bildung bleibt eine zentrale Voraussetzung für eine lebendige Demokratie – in der Schule und darüber hinaus.
Sponsoren: ZIS Zurich International School. Die 17. Bildungskonferenz findet am 16. März 2027 erneut im Gottlieb Duttweiler Institute in Rüschlikon statt.









































