DER NEUE BESITZER DES ENGELS IST EIN ZÜRCHER GASTRONOM

Per 1. Januar 2027 übernimmt der Zürcher Gastronom Luan Sallahi das Hotel und Restaurant Engel. Am Haus beim Bahnhof und seinen Tochterbetrieben auf dem Seeplatz und dem Tuwag-Areal soll sich vorläufig wenig ändern. Verabschieden wird sich allerdings ein Gesicht, das viele Wädenswilerinnen und Wädenswiler kennen und schätzen.
Anja Kutter
Ein Sommerabend auf dem Seeplatz, ein Fondue in der Ice Lodge, ein Apéro in der Bar, ein Essen im Restaurant oder eine Nacht im Hotel: Der Engel gehört zu den Orten, an denen Wädenswil sich trifft. Entsprechend schnell hat sich die Nachricht herumgesprochen, dass das Haus verkauft werden soll. «Mehrmals am Tag wurde ich darauf angesprochen, wie es mit dem Engel weitergeht», sagt der aktuelle Gastgeber Ilidio Ramires.
Nun herrscht Klarheit: Die bisherigen Besitzer Peter Kleb und Andreas Geiger haben die Hotel Engel Wädenswil AG an Luan Sallahi verkauft.
Die Verträge sind unterzeichnet, übergeben wird der Betrieb per 1. Januar 2027. Zum Unternehmen gehören das Hotel und das Restaurant an der Engelstrasse, die Bar, die Beiz und die Ice Lodge auf dem Seeplatz und das Restaurant «Boccia» beim Tuwag-Areal.
Für den neuen Besitzer ist es mehr als eine Transaktion. «Für mich ist das weit mehr als der Kauf eines Hotels», sagt Luan Sallahi. «Der Engel ist ein Ort mit Geschichte und Charakter, direkt am Zürichsee. Seine Geschichte weiterschreiben zu dürfen, ist ein Privileg und eine grosse Verantwortung.»
Was gleich bleibt
Für die Gäste ändert sich vorerst wenig. Sallahi will das Gastrounternehmen in seiner heutigen Form weiterführen. Hotel, Restaurant, Bar, Seeplatz und Boccia bleiben bestehen. Den Betrieb wird er nicht selbst leiten, dafür setzt er einen Geschäftsführer ein, der zu einem späteren Zeitpunkt vorgestellt wird.
Die Weiterführung des Betriebs war den Verkäufern wichtig. Kleb und Geiger suchten rund eineinhalb Jahre nach einer Nachfolge und schlugen dabei auch finanziell attraktivere Angebote aus, weil die Interessenten nicht garantieren wollten, den Engel als Hotel und Restaurant weiterzuführen. «Uns war wichtig, dass der Engel als beliebter Treffpunkt weitergeführt wird», sagt Peter Kleb.
Das passt zur Vorgeschichte. 2002 wurde die Genossenschaft Hotel Engel liquidiert. Kleb und Geiger kauften das Haus damals zusammen mit weiteren Wädenswilern, weil sie nicht wollten, dass die Stadt den Engel verliert. Seither investierten sie laufend, etwa in die Bar, in die Gästezimmer und in den Pavillon auf dem Seeplatz.
Was sich ändert
Mit der Übergabe verabschiedet sich Ilidio Ramires. Er kam als Küchenmitarbeiter in den Engel, wurde Küchenchef und führte das Haus danach viele Jahre als Geschäftsführer. Für die Gäste war er das Gesicht des Engels. «Wir haben ihm viel zu verdanken», sagt Peter Kleb. Bis Ende Jahr steht Ramires dem Betrieb noch vor, danach gönnt er sich eine schöpferische Pause.
Vom Tellerwäscher zum Besitzer
Luan Sallahi ist in der Zürcher Gastronomie kein Unbekannter. Ihm gehört im Niederdorf das über hundertjährige Restaurant «Johanniter», daneben führt er eine Personalvermittlungsfirma und ein Spitex-Unternehmen. Seinen ersten Job in der Deutschschweiz trat er 2005 als Tellerwäscher im Seerestaurant Tracht in Rüschlikon an. Als Kind war er aus dem Kosovo in die Schweiz geflüchtet. «Die Schweiz hat uns keinen Erfolg versprochen», sagt er. «Sie hat uns etwas noch Wertvolleres gegeben: die Möglichkeit, ihn selbst aufzubauen.»
Überzeugt habe ihn nicht nur die Geschichte des Hauses, das in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erstmals als Wirtshaus erwähnt wurde, sondern das, was er im Betrieb angetroffen hat. «Die Leidenschaft, die alle Mitarbeitenden zeigen, hat mich fasziniert. Man sieht, dass Menschen dahinterstehen.»





