«Ein Schmuckstück ist ausschliesslich persönlich»
Seit vielen Jahren ist Uhl Schmuck fester Bestandteil im Dorfkern von Richterswil. Nun hat sich Markus Uhl dazu entschlossen, das Geschäft aufzugeben und in den Ruhestand zu treten: Am 31. Dezember 2026 dreht sich der Schlüssel für die Kundschaft zum letzten Mal.
«Der Kundenkontakt wird mir fehlen», gesteht Markus Uhl ernst, während er einen Kugelschreiber auf dem Tresen hin- und herrückt. Das Überschreiten des Pensionsalters möchte man dem Goldschmied kaum zugestehen. «Der Umgang mit Kunden ist etwas sehr Schönes und hat mich erfüllt.»
In den Geschäftsräumen an der Dorfstrasse ist in den vergangenen 26 Jahren nicht nur viel Schönes gefertigt worden, sondern auch Schönes passiert, Freundschaften entstanden. Die Treue der Kundinnen und Kunden schätzt Uhl über alle Massen und berührt ihn. Als selbständiger Goldschmied wendet man viel Zeit für die Kontakte mit Kunden und Lieferanten auf, erstellt sorgfältige Offerten, und manchmal ist die Suche nach einem bestimmten Material sehr aufwändig.
Für das eigentliche Geschäft, die Herstellung hochwertiger Unikate aus Edelmetall, musste Uhl einen «Werkstatt-Tag» einführen und lässt die Geschäftstüren dazu mittwochs für die Kundschaft geschlossen. «Ich muss bei allen Aufgaben, die anstehen, hundertprozentig bei der Sache sein. Das gilt nicht nur bei der Schmuckherstellung», erklärt er sein Handeln.
Es sei eine Gratwanderung zwischen dem, was er an Aufträgen schaffen könne, und Nein zu etwas zu sagen. «Ich erfülle gerne Kundenwünsche, doch ab Ende September werde ich keine neue Aufträge mehr annehmen, damit ich die offenen Arbeiten fertigstellen kann», hat er sich vorgenommen und fügt lächelnd an: «Ausser, die Kunden haben die Geduld, ein Jahr auf ihr Schmuckstück zu warten.» Denn der Goldschmied wird in seiner privaten Werkstatt noch weiterhin seiner Leidenschaft für die Schmuckherstellung nachgehen.
Bereits bestellte Ware muss jedoch spätestens am 31. Dezember 2026 an der Dorfstrasse abgeholt werden.
Er habe Respekt davor, wenn er nachher eine ganze Woche alleine im Atelier sei. «Ich habe kein Problem damit, mit mir allein zu sein, doch es ist auch schön, sich mit jemandem auszutauschen. Denn meistens geht es in meinem Berufsalltag nicht nur um den eigentlichen Kundenwunsch, sondern auch um den Austausch von Lebenserfahrung und menschlichen Werten», erklärt er den Unterschied zum aktuellen Tagesablauf. «Gerade bei einem Erstgespräch findet ein sehr persönlicher Austausch statt, denn ich muss wissen und spüren, für wen ein Schmuckstück gemacht werden soll.»
Von null auf hundert
Markus Uhl hat seit 1985 ein eigenes Geschäft in Richterswil, welches er von Null auf aufgebaut hat. Damals nahm er Aufträge von seinem ehemaligen Ausbilder an, fertigte zahlreiche Schmuckstücke für renommierte Geschäfte in Zürich. Manchmal arbeitete er Tag und Nacht. «An sowas ist heute nicht mehr zu denken», sagt er verschmitzt. Da sei manchmal auch Fleissarbeit darunter gewesen – für einen kreativen Tüftler und Perfektionisten ein Graus, doch: «Es war meine grosse Chance, so konnte ich überleben, und dafür bin dankbar.»
Die Vielfalt der Schmuckherstellung wird einem fast nur als Selbständiger gewährt: Zeichnen von Entwürfen, Fassen von Edelsteinen, Zu-
sammenstellen von Material, das Werkstück verputzen, polieren … Um all dies mit den neusten und besten Möglichkeiten zu beherrschen, hat Uhl sich immer wieder weitergebildet, sogar eigenes Werkzeug zur Schmuckbearbeitung hergestellt.
«Dieser Beruf beinhaltet so vieles, was mir Freude bereitet», bekräftigt er. Die Arbeit mit den schönen Materialien, denen er mit Respekt begegnet, ist nur ein weiterer Punkt auf der Liste. «Es gibt heutzutage keinen Grund mehr, neues Edelmetall zu schürfen, und ich arbeite seit bald 20 Jahren prinzipiell nur noch mit rezyklierten Materialien.» Nachhaltigkeit ist ihm wichtig, und er schätzt daher auch, dass er immer zu Fuss zur Arbeit gehen kann.
Vom Geschäfts- zum Privatmann
Nach wie vor findet der Goldschmied seinen Beruf spannend und befriedigend, und der Entscheid zur Schliessung des Geschäftes fiel ihm nicht leicht. «Ich möchte mehr Zeit mit meinen Enkelkindern verbringen», so der 68-Jährige. Er fährt gerne Velo, wandert viel, liebt das Kochen. Zudem betreiben er und seine Partnerin oft Wassersport.
Diesbezüglich freut sich Markus Uhl besonders darauf, sein ganz persönliches «Lebensprojekt» weiterzuverfolgen: den gesamten Rheinlauf mit dem aufblasbaren und wildwassertauglichen Kajak abzufahren. Einen Teil hat er schon geschafft, und dass er sich künftig für mehrere Wochen auf dem Wasser seinem Ziel nähern kann, macht ihn sehr glücklich. Mittlerweile ist er bei Karlsruhe angelangt.
Noch findet man den Schmuckdesigner in seinem Laden, wo bis Ende Jahr Schönes erdacht, ausgearbeitet und hergestellt wird. rb
(Bild: Sabine Braun)
Uhl Schmuck
Dorfstrasse 32
Richterswil
Tel. 079 816 51 76
www.uhlschmuck.ch markus.uhl@gmx.ch
Öffnungszeiten:
Di, Do, Fr, 09.00–12.00 und 14.00–18.30 Uhr
Sa, 09.00–12.00 und 13.00–16.00 Uhr
Montag & Mittwoch geschlossen







