Grüne Oasen gegen die Sommerhitze: Rund 100 Gäste erleben den ZH …
Unter dem Motto «Klimagarten – warum noch warten?» lud die Forschungsgruppe Pflanzenverwendung der ZHAW gemeinsam mit der Gruppe Stadtbäume Wädenswil am Dienstagabend, 1. September 2026, auf den Campus Grüental ein. Das Thema hätte dabei kaum aktueller sein können.
Text & Bilder: Sabine Itting
Nach der langen Hitzeperiode dieses Sommers, die Mensch, Tier und Pflanzen über Wochen gefordert hatte, rückte die Frage nach kühlen und grünen Orten erneut in den Fokus. Wie können Städte und Gemeinden auch in Zukunft lebenswert bleiben, wenn die Sommer heisser und trockener werden? Antworten darauf gab die ZHAW an diesem Abend gleich vor Ort. Das Versprechen, zukunftsfähige Pflanzen und Bäume kennenzulernen, die selbst bei grosser Trockenheit für Kühle und Schatten sorgen, stiess auf überwältigendes Interesse.
Rund 100 Interessierte aus Wädenswil und der Region waren der Einladung gefolgt. Nach der Begrüssung durch Moritz Vögeli, Leiter des Forschungsbereichs Urbane Ökosysteme, teilten sich die Anwesenden um 18.00 Uhr in drei Gruppen auf, um den geführten Dialog-Parcours zu erkunden.
Wurzelraum unter dem Asphalt und Bäume gegen den Hitzestress
An drei Stationen vermittelten die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Forschungsgruppe Pflanzenverwendung Alain Bertschy und Stefan Stevanovic sowie der Dozent der Forschungsgruppe, Axel Heinrich, ihr Wissen auf anschauliche Weise. Bertschy erläuterte das Prinzip moderner Schwammstädte und zeigte auf, wie Niederschlagswasser im Siedlungsraum gespeichert wird, um Hitzeinseln entgegenzuwirken. Heinrich stellte die besonderen Eigenschaften robuster Klimabäume vor, die auch langen Trockenphasen trotzen. Bei Stevanovic ging es schliesslich unter die Erde: Er zeigte, wie Baumwurzeln, die sich in der Breite oft eineinhalbmal so weit erstrecken wie die sichtbare Krone, selbst unter stark befahrenen Strassen wachsen können.
Von hallenartigen Parkwäldern bis zu Miniwäldern
Besonders interessiert zeigte sich das Publikum an den verschiedenen Pflanzkonzepten für Städte und Gemeinden. So zeigen hallenartige Parkwälder mit dichtem Blätterdach und freiem Stammraum, wie kühlende Luft durch Parks fliessen kann. Geschichtete Parkwälder wiederum bestehen aus Bäumen sowie Sträuchern und der Krautschicht und bilden so grüne Pufferzonen. Grosse Aufmerksamkeit bekamen auch die Miniwälder nach der japanischen Miyawaki-Methode: Auf wenig Fläche wachsen dabei sehr viele Pflanzen dicht nebeneinander. Durch das schnelle Wachstum heimischer Arten können solche kleinen Wälder auch auf Restflächen eine erstaunliche Wirkung entfalten.
Wenn der Wind von oben kommt
Dass Theorie und Praxis nah beieinanderliegen, bewiesen die lebhaften Fragen. So erkundigte sich eine Besucherin aus Schönenberg nach einem Olivenbaum für ihren Garten und erfuhr überrascht, dass aufgrund des rauen Windes, der in Schönenberg keine Seltenheit ist, das mediterrane Gewächs als Gartenpflanze keine optimalen Bedingungen vorfinden würde. Das Thema Wind gehört auch in Städten zur Planung des Baumbestandes: Da Stadtbäume seitlich meist von Häuserfassaden geschützt sind, trifft der Wind sie oft nicht von der Seite. Stattdessen wird er an den Wänden nach unten abgelenkt und trifft die Baumkronen direkt von oben. Auch beim Thema Nebel gab es Aha-Erlebnisse: Nebel wirkt für Bäume wie eine feuchte Isolierschicht, verschiebt sich durch die Erderwärmung aber immer weiter in höhere Lagen. Hierbei handelt es sich um ein Phänomen des Klimawandels, das sich im Winter beispielsweise deutlich in Richtung Einsiedeln beobachten lässt.
Eine Baumrigole als Wasserspeicher
Da Bäume im städtischen Kontext nicht gewässert werden, sind sie auf Sauerstoff und Wasser im Boden angewiesen. Versiegelte Belagsflächen machen ihnen das Leben zusätzlich schwer. Dank der Forschung an der ZHAW wurde ein neues Spezialsubstrat entwickelt, das auch unter Strassen und Parkplätzen eingesetzt werden kann: Ein Gerüst aus grobem Schotter schafft Platz für die Wurzeln und sorgt gleichzeitig für Stabilität. Eine Mischung aus feineren Materialien und mit Pflanzenkohle angereicherter Erde bietet den Bäumen gute Bedingungen zum Wachsen. Dieses System hält tonnenschweren Fahrzeugen stand und kann gleichzeitig grosse Mengen Wasser speichern. Das Verfahren kam unter anderem bei der klimagerechten Neugestaltung der Zürcher Heinrichstrasse zum Einsatz und gehört bei Neubaumassnahmen in Zürich mittlerweile zum Standard.
Lebhafte Debatte um die grüne Zukunft Wädenswils
Neben den fachlichen Informationen entstanden spontan lebhafte Diskussionen über die Zukunft Wädenswils. Die Teilnehmenden interessierte, ob Wädenswil vom Wissen der ZHAW profitiert und ob konkrete Projekte wie etwa ein Miniwald im Stadtgebiet geplant seien. Alain Bertschy bestätigte, dass es in dieser Richtung bisher noch keinen Auftrag gebe, sie aber mit der Stadt im fachlichen Austausch stehen.
Stadträtin Astrid Furrer, die ebenfalls an der Führung teilnahm, stand dem Publikum Rede und Antwort. Das Wissen der ZHAW werde bei etlichen Projekten beigezogen. Sie betonte, dass Wädenswil schweizweit über die zweitmeisten Grünflächen im Siedlungsgebiet verfüge und bereits eine sehr grüne Stadt sei. Es werde stets nach Möglichkeiten gesucht, mehr Bäume zu pflanzen. Ebenso wichtig sei es aber, und der Fokus liege aktuell darauf, den wertvollen Baumbestand zu erhalten.
Mehr Grün für Wädenswil?
Dies löste engagierte Wortmeldungen aus dem Publikum aus. «Man muss an die Zukunft denken, wir brauchen mehr Grün und da muss man zusammenspannen», mahnte ein Teilnehmer. Andere Stimmen gaben zu bedenken, dass die Stadt vorangehen müsse: Man könne nicht von Privaten Massnahmen verlangen, wenn die öffentliche Hand nicht mitziehe. Auch die Budgetfrage kam auf. Es sei klar, dass Schulen und Altersheime wichtig sind, aber, so wollte eine Teilnehmerin wissen, ist überhaupt genügend Geld für Bäume vorhanden? Stadträtin Furrer stellte dazu klar: Am Budget liege es nicht. Der Erhalt des Baumbestands sei bereits ein täglicher Kampf, für den sich die Stadt intensiv einsetze. Und was das Zusammenspiel von Stadt und Privaten betrifft: Ein Miniwald auf Wädenswiler Boden sei zwar derzeit nicht geplant, was aber nicht ist, kann ja bekanntlich noch werden.
Ausklang im Klimagarten
Ab 19.00 Uhr ging der lehrreiche Parcours schliesslich in einen gemütlichen Apéro beim Klimagarten über. Bei Speis und Trank wurde noch bis zum offiziellen Ende um 20.00 Uhr angeregt diskutiert – ein rundum gelungener Abend, der eindrücklich aufzeigte, wie Wädenswil schrittweise fit für heisse Sommer gestaltet werden kann.
Grüental und Baumweg laden zum Entdecken ein
Wer das Thema im Vorbeigehen vertiefen möchte, findet auf dem Wädenswiler Baumweg reichlich Inspiration. Die Gärten im Grüental der ZHAW Wädenswil sind öffentlich. Wer Lust bekommen hat, die verschiedenen Pflanzen, Bäume und Gartenideen selbst zu entdecken, kann dies auch ausserhalb einer Veranstaltung tun. Verschiedene Führungen und der Feldbotanik-Lernparcours bieten zudem die Möglichkeit, noch tiefer in die Welt der Pflanzen einzutauchen und mehr darüber zu erfahren, welche Bäume und Sträucher sich für unsere Gärten und den Siedlungsraum eignen.







