Neuguet Konzerte, Extrakonzert II: Leoš Janáček und Antonín …
So ruppig wie der erste Takt anklingt, so zart erklingen die nächsten Takte, und damit hat der Tschechische Komponist Leoš Janáˇcek bereits zu Beginn seines zweiten Streichquartetts die Gefühlsweite dieser Komposition offengelegt. Geschrieben hat er es in einer Zeit, als er für eine um Jahrzehnte jüngere Frau schwärmte, die seine 700 Liebesbriefe allerdings nur in ganz wenigen Fällen beantwortete. Der Untertitel des Werks heisst «Intime Briefe», und es ist die Musik gewordene Sehnsucht nach der Angebeteten.
Das Fibonacci Quartet mit Krištof Kohut und Luna De Mol, Geigen, Elliot Kempton, Viola und Findlay Spence am Cello, zeigte einen Vortrag von allerhöchstem Können. Vom leisesten Pianissimo, nahe der Hörgrenze, bis zum expressiven Fortissimo stellten sie des Komponisten Liebessturm ergreifend, mitreissend und mit einer unglaublichen Präzision im Zusammenspiel dar. Was muss der arme Leoš Janáˇcek an dieser unerwiderten Liebe gelitten haben! Und was für ein grossartiges Stück Musik wäre der Welt wohl verloren gegangen, wenn die Geliebte seine Werbung erwidert hätte!
Da der Übertitel der diesjährigen Neuguet Konzerte-Saison «Beflügelt» heisst, gesellte sich im zweiten Teil der Matinee der Pianist Ariel Lanyi zum Quartett hinzu. Auch er, wie die Mitglieder des Quartetts, jung und versehen mit unerhörter Musikalität.
Etwas weniger scharfkantig als Janáˇcek ist Antonín Dvoˇráks Klavierquintett op. 81, das in der Folge zur Aufführung kam. Schwelgerisch, lyrisch über weite Strecken, erinnernd an die Symphonischen Kompositionen des Meisters. Und doch bricht auch hier immer wieder Blitz und Donner ins Geschehen, und dies ganz ohne all zu viel Bildprogrammatisches in die Klänge hinein interpretieren zu wollen. Die Volkslieder und -tänze seiner Mährischen Heimat gaben ihm hier die expressive und auch gefühlsstarke Grundlage, aus dem er schöpfen konnte. Jedenfalls auch hier eine grossartige Interpretation, die ergreift und auch erschüttert, jedenfalls sicher niemanden unberührt lassen kann. e
Nächstes Konzert: 27. September, 11.00 Uhr, Heubühnen-Saal Neuguet Wädenswil – Oliver Schnyder interpretiert Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen, artarena.ch






